mail(1) mail(1)
NAME
mail - Nachrichten senden oder lesen
SYNTAX
mail [-tw] [-m nachrichtentyp] [--] empfänger ... Format 1
mail [-ehpPqr] [-f datei] Format 2
mail -F empfänger ... Format 3
mail -T mailsurr-datei empfänger ... Format 4
mail [-xdebug-level] [andere-mail-optionen ...] empfänger ... Format 5
BESCHREIBUNG
Die Beschreibung ist in folgende Abschnitte unterteilt:
- Einführung
- Beschreibung der Formate
Format 1: Sendemodus
Arbeitsweise im Sendemodus
Format 2: Lesemodus
mail-Kommandos im Lesemodus
Arbeitsweise im Lesemodus
Format 3: Nachsendemodus
Arbeitsweise im Nachsendemodus
Format 4 und 5: Fehlersuchmodus
- Endestatus
- Dateien
- Beispiele
- Siehe auch
EINFÜHRUNG
Mit mail können Sie elektronische Post senden und empfangen. Wenn Ihr
Rechner an ein Netz angeschlossen ist, können Sie auch mit Benutzern
an anderen Rechnern Nachrichten austauschen.
Bereits bei der Anmeldung erfährt der Benutzer, ob er Post bekommen
hat. Auch während der Anwendung von mail wird gemeldet, wenn neue
Nachrichten eintreffen.
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mail(1) mail(1)
Nachrichten sind ASCII-Texte. Sie enthalten einen Nachrichtenkopf mit
Informationen, die zum Weiterleiten der Nachricht dienen und die zum
Teil implementierungsabhängig sind. Auf den Nachrichtenkopf folgt eine
Leerzeile und anschließend der Text der Nachricht.
Mit mail können Sie
- Nachrichten senden (Sendemodus, Format 1)
- Nachrichten lesen (Lesemodus, Format 2)
- Post nachsenden (Nachsendemodus, Format 3)
- Sendemechanismus überprüfen (Fehlersuchmodus, Format 4 und 5).
BESCHREIBUNG DER FORMATE
Format 1: Sendemodus
mail [-tw] [-m nachrichtentyp] [--] empfänger ...
-t (t - to) mail fügt im Kopf (vor der Nachricht) pro angegebenem
Empfänger eine Zeile mit dem Inhalt To: empfänger ein.
-w (w - wait) mail schickt einen Brief an einen Empfänger im Netz,
ohne auf die Beendigung des Transferprogramms zu warten.
-m nachrichtentyp
(m - message type) mail fügt im Nachrichtkopf eine Zeile mit dem
Inhalt Message-Type: nachrichtentyp ein. nachrichtentyp kann
beliebiger Text sein.
-- Ende der Optionenliste. Die Angabe ist nötig, wenn empfänger mit
- beginnt.
empfänger
ist eine gültige Benutzerkennung im lokalen System oder ein Netz-
pfad, falls der Rechner an ein Netz angeschlossen ist. Sie können
mehrere Empfänger angeben.
Näheres zur Netzadressierung lesen Sie im folgenden Abschnitt.
Arbeitsweise im Sendemodus
mail liest den zu sendenden Text von der Standardeingabe. Als Textab-
schluß gilt EOF bzw. <CTRL-D> oder eine Zeile, in der nur ein Punkt in
der ersten Spalte steht. Der eingelesene Brief wird dann an die ange-
gebenen Empfänger gesendet und in ihre Briefkästen geschrieben. Sind
dort bereits Nachrichten enthalten, so wird jede neu eintreffende
Nachricht vor den vorhandenen eingefügt.
Hinweis: Liest mail aus einer Datei, dann wird ein alleinstehender
Punkt am Anfang einer Zeile nicht als Endezeichen erkannt.
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Bestandteile eines Briefes
Ein Brief, den ein Empfänger erhalten hat, setzt sich zusammen aus
- einigen Kopfzeilen
- einer Leerzeile
- dem Nachrichteninhalt
Die Kopfzeilen enthalten folgende Elemente:
- eine oder mehrere sogenannte UNIX postmarks der Form:
From absender datumundzeit [remote from fernerrechner]
- eine oder mehrere Schlüsselwortzeilen der Form:
schlüsselwort: [druckbarer text]
Eine Kopfzeile kann über mehrere Zeilen gehen, wenn jede Folgezeile
mit einem Leerzeichen beginnt.
Schlüsselwörter und anschließender Text dienen zur näheren Information
über die empfangene Post. Welche Schlüsselwortzeilen in der empfange-
nen Post stehen, hängt von der Art der Versendung und vom Absenderech-
ner ab.
schlüsselwort und druckbarer text können z. B. sein:
Received: from absender@rechner.domaine
Date: datum zeit
To: rechner!empfänger
Content-Type: nachrichtentyp
Content-Length: nachrichtenlaenge
Briefe, die nicht zugestellt werden können
Ein Brief, der nicht zugestellt werden kann, wird an den Absender mit
entsprechenden Fehlermeldungen zurückgeschickt. Wenn während der Text-
eingabe das Signal SIGINT (Taste <DEL>) eintrifft, sichert mail den
Text in der Datei dead.letter. Diese Datei wird im aktuellen Verzeich-
nis oder, falls dies nicht möglich ist, im Login-Verzeichnis des
Benutzers angelegt. Kann sie auch dort nicht angelegt werden, dann
unterbleibt das Sichern des Textes. Die Datei dead.letter wird prinzi-
piell nicht überschrieben, sondern jedesmal erweitert.
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Netzadressierung
Sie können auch Netzadressen als Empfänger angeben. Die Art der Adres-
sierung hängt dabei von den im lokalen System verfügbaren Transportme-
chanismen ab. Informieren Sie sich bei Ihrem Systemverwalter über die
im lokalen System üblichen Adressierungsmethoden. Am häufigsten einge-
setzt werden die beiden folgende Methoden:
- bei der an UUCP angelehnten Adressierung geben Sie die Adresse fol-
gendermaßen an:
fernerrechner!benutzer
Mit einer ganzen Folge von Systemnamen können Sie einen Brief durch
ein weitläufiges Netz dirigieren, z. B. sysa!sysb!sysc!benutzer.
- bei der domänen-orientierten Adressierung geben Sie die Adresse so
an:
benutzer@[subdomain.]domäne
Benachrichtigung über Postzustellung
Sie können zu den automatisch generierten Kopfzeilen weitere hinzufü-
gen und damit die Benachrichtigung über erfolgte Zustellung beeinflus-
sen. Diese Kopfzeilen geben Sie vor Ihrem Nachrichtentext ein, mit
jeweils einem Schlüsselwort und Optionen pro Zeile.
Folgende Schlüsselwörter mit Optionen stehen Ihnen zur Verfügung:
Transport-Options: [option ...]
Default-Options: [option ...]
>To: empfänger [option ...]
Für option geben Sie eine oder mehrere Optionen an. Die Angabe des
Schrägstrichs vor jeder Option ist obligatorisch. Mehrere Optionen
werden ohne Leerzeichen, jedoch mit dem Schrägstrich aneinandergefügt.
Bei Optionen, die sich widersprechen, verwendet mail die zuerst gefun-
dene.
Keine Optionen angegeben:
Voreinstellung ist /nodelivery/return.
Die folgenden Optionen stehen zur Verfügung:
/delivery
Den Absender informieren, daß die Nachricht im Briefkasten
von empfänger erfolgreich angekommen ist.
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/nodelivery
Den Absender nicht über erfolgreiches Ankommen informieren.
/return
Den Absender über mißlungenes Ankommen informieren und die
Nachricht zum Absender zurückschicken.
/report
Wie /return, die Nachricht wird jedoch nicht zurückge-
schickt.
/ignore
Den Absender nicht über mißlungenes Ankommen informieren und
die Nachricht auch nicht zurücksenden.
empfänger
Name eines Empfängers.
Format 2: Lesemodus
mail [-ehpPqr] [-f datei]
Keine Option angegeben:
mail prüft den Standardbriefkasten /var/mail/$USER. Wenn Nach-
richten vorliegen, gibt mail die zuletzt eingegangene Nachricht
aus (last in - first out). Dann gibt mail ein Fragezeichen aus
und erwartet eines der im nächsten Abschnitt mail-Kommandos im
Lesemodus beschriebenen Kommandos.
-e mail prüft, ob Nachrichten vorliegen. Wenn Nachrichten vorliegen,
gibt mail den Endestatus 0 zurück, im anderen Fall den Endestatus
1. Dann beendet sich mail.
-e darf nicht zusammen mit -p verwendet werden.
-h (h - header) mail zeigt den Inhalt der UNIX postmark-Zeilen für
alle vorliegenden Nachrichten an, in umgekehrter Reihenfolge
ihres Eintreffens. Die Nachrichten sind durchnumeriert.
Zu UNIX postmarks siehe Abschnitt Arbeitsweise im Sendemodus.
-p (p - print) mail gibt alle Nachrichten ohne anzuhalten nacheinan-
der aus, in umgekehrter Reihenfolge ihres Eintreffens. Dann been-
det sich mail.
-p darf nicht zusammen mit -e verwendet werden.
-P (P - print) mail gibt alle Nachrichten einzeln aus, in umgekehr-
ter Reihenfolge ihres Eintreffens und mit allen Kopfzeilen.
-q (q - quit) mail beendet sich, wenn das Signal SIGINT eintrifft
(Taste <DEL>).
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-q nicht angegeben:
Das Signal SIGINT unterbricht die aktuelle Ausgabe einer Nach-
richt. Mit dem mail-Kommando p können Sie sich die aktuelle Nach-
richt nochmals ausgeben lassen.
-r (r - reverse) mail gibt die Nachrichten in der Reihenfolge aus,
in der sie eingetroffen sind.
-r nicht angegeben:
mail gibt die jüngste Nachricht zuerst aus.
-f briefkasten
(f - file) mail liest die Nachrichten aus der Datei briefkasten.
-f briefkasten nicht angegeben:
mail liest die Nachrichten aus dem Standardbriefkasten
/var/mail/$USER.
Hinweis: mail interpretiert die ersten Zeilen einer eingegangenen
Post als Header-Zeilen, wenn diese Zeilen mit einer Folge
von Nicht-Blanks beginnen, die einen Doppelpunkt (:) bein-
halten.
Wenn Sie Post versenden, die mit einer Folge von Zeichen
beginnt, die einen Doppelpunkt enthält, so müssen Sie vor
der ersten Zeile eine Leerzeile einfügen.
mail-Kommandos im Lesemodus
Mit einem Fragezeichen verlangt mail die Eingabe eines der im folgen-
den beschriebenen Kommandos. Jedes Kommando ist mit der Taste <RETURN>
abzuschließen.
Wenn Sie eines oder mehrere der Löschkommandos d, dp, m, r, s, w oder
y während einer mail-Sitzung verwenden, so bleiben die zum Löschen
vorgesehene Dateien in /var/mail/$USER erhalten, insofern Sie entweder
das Löschen mit u wieder rückgängig machen und/oder die mail-Sitzung
mit x verlassen.
?
* Übersicht über die Kommandos von mail ausgeben.
<RETURN>
+
n (next) Nächste Nachricht ausgeben.
- Vorhergehende Nachricht ausgeben.
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nummer
Nachricht mit der Nummer nummer ausgeben.
# Nummer der aktuellen Nachricht ausgeben.
!shell-kommando
shell-kommando ausführen.
<CTRL-D>
mail beenden. Nicht gelöschte Nachrichten bleiben im Briefkasten
(wie q).
a (arrived) Nachricht ausgeben, die während der laufenden mail-
Sitzung angekommen ist.
d
dp (delete/print) Nachricht löschen und nächste Nachricht ausgeben.
dn (delete) Nachricht mit der Nummer n löschen, nächste Nachricht
nicht ausgeben.
dq (delete/quit) Nachricht löschen und mail verlassen.
h (header) Ein Fenster mit den Kopfzeilen der Nachrichten ausgeben,
die in der Nähe der aktuellen Nachricht stehen.
hn (header) Ein Fenster mit den Kopfzeilen der Nachrichten ausgeben,
die in der Nähe der Nachricht Nummer n stehen.
h a (header all) Die Nachrichtenköpfe aller Nachrichten im Briefka-
sten ausgeben.
h d (header/delete) Die Nachrichtenköpfe aller Nachrichten ausgeben,
die zum Löschen vorgesehen sind.
m [empfänger ...]
(mail) mail sendet die aktuelle Nachricht an die angegebenen Emp-
fänger und löscht sie dann.
empfänger nicht angegeben:
mail nimmt die eigene Benutzerkennung an.
p (print) mail gibt die aktuelle Nachricht nochmals aus, ohne auf
(nicht druckbare) Binärzeichen Rücksicht zu nehmen.
P (Print) mail gibt die aktuelle Nachricht aus und zeigt, entgegen
der Voreinstellung, alle dazugehörigen Kopfzeilen an.
q (quit) mail beenden. Nicht gelöschte Nachrichten bleiben im
Briefkasten (wie <CTRL-D>).
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r [benutzer ...]
(reply) Dem Absender und weiteren Benutzern antworten und die
Nachricht löschen. Geben Sie die Antwort ebenso ein, als wenn Sie
sie mit mail (Sendemodus) verschicken würden.
benutzer nicht angegeben:
mail antwortet nur dem Absender.
s [datei ...]
(save) Schreibt die aktuelle Nachricht in die angegebenen Dateien
und löscht die Nachricht. datei wird im aktuellen Verzeichnis
angelegt, wenn kein absoluter Pfadname angegeben ist. Existiert
sie dort, so wird sie erweitert.
datei nicht angegeben:
mail nimmt $HOME/mbox an.
u[n] (undo) Löschen der Nachricht mit Nummer n wieder rückgängig
machen.
n nicht angegeben:
Löschen der zuletzt gelesenen Nachricht rückgängig machen.
w [datei ...]
(write) Wie s oder y, jedoch werden die Kopfzeilen nicht in die
Datei geschrieben.
datei nicht angegeben:
mail nimmt $HOME/mbox an.
x (exit) mail beenden. Der Briefkasten bleibt unverändert. Das
heißt, auch zum Löschen vorgesehene Nachrichten bleiben erhalten
(siehe aber <CTRL-D> und q).
y [datei ...]
(yank) Wie s.
Arbeitsweise im Lesemodus
mail gibt die jüngste vorliegende Nachricht auf die Standardausgabe
aus. Wenn Sie die Ausgabe nicht mit der Option -P umdefiniert haben,
zeigt mail zunächst nur die unmittelbar interessanten Kopfzeilen an.
Dazu gehören u. a. die UNIX postmarks From und >From, die Kopfzeilen
From:, Date:, Subject: und Content-Length: und Zeilen mit Angaben über
den oder die Empfänger wie To:, Cc: oder Bcc: (siehe auch Abschnitt
Arbeitsweise im Sendemodus und mailx).
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mail(1) mail(1)
Danach gibt mail den Inhalt der Nachricht aus, falls diese keine
nicht-druckbaren Zeichen enthält. Sonst erscheint lediglich eine War-
nung über binären Text, und es wird nichts weiter ausgegeben.
Nachrichten, die über eine Bildschirmseite hinausgehen, können Sie nur
mit <CTRL-S> anhalten und mit <CTRL-Q> weiter anzeigen lassen. Sie
können die Ausgabe auch in eine Datei umlenken und damit weiterarbei-
ten, oder Sie können das Kommando mailx verwenden, das Möglichkeiten
bietet, die Ausgabe zu steuern.
mail-Kommandos benutzen
mail gibt ein Fragezeichen nach der ersten angezeigten Nachricht aus
und erwartet die Eingabe von mail-Kommandos. Jedes Kommando ist mit
der Taste <RETURN> abzuschließen.
Falls Sie eines oder mehrere der Löschkommandos d, dp, m, r, s, w oder
y während einer mail-Sitzung verwenden, so bleiben die damit zum
Löschen vorgesehenen Dateien in /var/mail/$USER erhalten, wenn Sie
- während der Sitzung mit u das Löschen wieder rückgängig machen
- die Sitzung mit x verlassen
Hinweise: Wenn Sie beim mail-Aufruf nicht die Option -q angegeben
haben, wird bei einem Interrupt (Signal SIGINT) nur die Aus-
gabe der aktuellen Nachricht unterbrochen. Benutzen Sie dann
das mail-Kommando p, um die aktuelle Nachricht nochmals aus-
geben zu lassen.
Wenn die zu lesende Nachricht nicht-druckbare Zeichen ent-
hält, gibt mail nur eine Meldung über binären Text aus. Auch
in diesem Fall können Sie sich diese Nachricht mit dem
mail-Kommando p ausgeben lassen.
Zugriffsrechte des Briefkastens
Die Funktionsweise von mail läßt sich beeinflussen, wenn Sie die
Zugriffsrechte des Briefkastens durch chmod verändern. Die Standard-
einstellung ist 0660 (weder Lesen noch Schreiben). Durch die Änderung
legen Sie fest, ob er von anderen gelesen und verändert (0666) oder
nur gelesen werden darf (0664).
Wird die Standardeinstellung 0660 verändert, dann bleibt die Datei
erhalten, auch wenn sie leer ist, um die gewünschten Zugriffsrechte
beibehalten zu können. Der Systemverwalter kann diesen Dateischutz mit
des Schlüsselwortes DELEMPTYMFILE in der Systemdatei
/etc/mail/mailcnfg überschreiben.
Die Gruppennummer des Briefkastens muß die der Gruppe mail sein, damit
neue Nachrichten gesendet werden können. Zudem muß der Briefkasten von
der Gruppe mail beschreibbar sein.
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Format 3: Nachsendemodus
mail -F empfänger ...
-F (F - forward) mail leitet alle in Ihrem Briefkasten eintreffenden
Nachrichten an den oder die empfänger weiter, vorausgesetzt, Ihr
Briefkasten ist zum Zeitpunkt des mail-Aufrufs leer.
empfänger
Ist eine maximal 1024 Byte große Liste, die in Anführungszeichen
eingeschlossen werden sollte, um sicherzustellen, daß sie als ein
einziger Operand der Option -F interpretiert wird. Die Empfänger
in der Liste können durch Leerzeichen oder Kommas voneinander
getrennt werden.
Geben Sie als empfänger die leere Zeichenkette an (mail -F ""),
so wird der Nachsendemodus beendet.
Steht vor einem der Empfänger ein Pipesymbol, so wird der Rest
der Zeile als Kommando interpretiert, an das die eintreffenden
Nachrichten als Eingabe übergeben werden (siehe auch nächster
Abschnitt).
Arbeitsweise im Nachsendemodus
Mit der Option -F können Sie ankommende Post an andere Empfänger (oder
sich selbst auf einem anderen Rechner) weiterleiten. Bevor Sie den
Nachsendemodus aktivieren, vergewissern Sie sich, daß Ihr Briefkasten
leer ist. Wenn Sie dann mail -F empfänger aufrufen, trägt mail als
erste Zeile Forward to empfänger ... in den Briefkasten ein und leitet
alle eingehenden Nachrichten an die angegebenen Empfänger weiter. In
den Kopf jeder weitergeleiteten Nachricht wird die Zeile
Auto-Forwarded-From: ... eingefügt.
Per Nachsendemodus Kommandos ausführen
Ist das erste Zeichen eines Empfängernamens im Nachsendemodus das
Pipezeichen, so wird der Rest der Zeile als Kommando interpretiert, an
das die aktuelle Nachricht übergeben wird. Das Kommando wird im HOME-
Verzeichnis des Empfängers ausgeführt. Ist der Empfänger nicht in der
Datei /etc/passwd vorhanden, so wird das Kommando nicht ausgeführt und
der Absender der Nachricht enthält eine entsprechende Meldung. Bei-
spiel:
mail -F "|echo %R>/dev/tty016"
In diesem Beispiel heißt der angegebene Empfänger |echo. Er beginnt
also mit dem Pipezeichen. mail nimmt daher an, daß es sich um ein aus-
führbares Kommando handelt und führt es gemäß den nachfolgenden Para-
metern aus (den Pfad zurück zum Absender der Nachricht auf das Termi-
nal /dev/tty016 ausgeben).
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Eine Nachricht kann gleichzeitig an verschiedene Empfänger weiterge-
leitet und durch eine Pipe an ein Kommando übergeben werden, z. B.
mail -F "karl,paul,|meinurlaubprog %R".
Nach dem Pipezeichen müssen Optionen und Parameter, die Leerzeichen
enthalten und die zum Kommando gehören, von entwerteten Anführungszei-
chen \" eingeschlossen sein. Sonderzeichen der Shell sollten Sie nur
verwenden, wenn das Kommando die Shell (/usr/bin/sh) ist. Beispiel:
mail -F "|/bin/sh -c \"shellcommandline\""
Innerhalb des Kommandos sind folgende Schlüsselwörter möglich, die
ersetzt werden, bevor das Kommando ausgeführt wird:
%R Pfad zurück zum Absender der Nachricht.
%c Wert der Kopfzeile Content-Type:, falls vorhanden.
%S Wert der Kopfzeile Subject:, falls vorhanden.
Gibt das Kommando einen Wert ungleich 0 zurück, so nimmt mail an, daß
die Nachricht nicht empfangen werden konnte und erzeugt eine entspre-
chende Fehlermeldung an den Absender.
Endlosschleifen
Die Nachsendung von Nachrichten kann zu Endlosschleifen führen, wenn
beispielsweise benutzer1 an benutzer2 nachsendet, dieser wieder an
benutzer1 usw. Lokale Schleifen werden sofort erkannt. Schleifen im
Netz werden erst erkannt, wenn eine eingebaute Schranke von 20 über-
schritten ist. In beiden Fällen gilt die Nachricht als nicht empfan-
gen.
Zugriffsrechte des Briefkastens
Aus Sicherheitsgründen wird bei Aktivierung der Nachsendung automa-
tisch chmod s+g an /var/mail/$USER durchgeführt und dementsprechend
beim Beenden chmod s-g. Ist das SGID-Bit nicht gesetzt, wenn mail eine
Nachricht an ein Kommando weiterleiten will, dann kann diese nicht
empfangen werden, und eine entsprechende Fehlermeldung wird an den
Absender übermittelt.
Um einen korrekten Ablauf sicherzustellen, sollte der Briefkasten für
die Gruppe mail Lese- und Schreibberechtigung und die Gruppennummer
der Gruppe mail haben.
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mail(1) mail(1)
Zusätzliche Funktionalität durch notify und vacation
Für zusätzliche Funktionalität können Sie die beiden Shell-Kommandos
notify(1) und vacation(1) einsetzen. Mit notify können neu eintref-
fende Nachrichten asynchron gemeldet werden. Mit vacation lassen sich
Nachrichten automatisch beantworten, wenn der Empfänger für einen län-
geren Zeitraum nicht erreichbar ist.
Format 4 und 5: Fehlersuchmodus
mail -T mailsurr-datei [--] empfänger ...
mail [-xdebug-level] [andere-mail-optionen ...] [--] empfänger ...
-T mailsurr-datei
(T - test) Diese Option unterstützt Systemverwalter bei der Modi-
fikation einer mailsurr-Datei. Eine solche Datei enthält Komman-
dos (surrogate commands) für Routing und Transport von Post, die
von mail benutzt werden [siehe mailsurr(4)].
mailsurr-datei ist ein beliebiger Dateiname. Geben Sie statt des-
sen die leere Zeichenkette an (-T ""), dann verwendet mail die
Standarddatei /etc/mail/mailsurr.
mail liest eine beliebige Nachricht von der Standardeingabe und
protokolliert die Abarbeitung der mailsurr-Datei auf der Stan-
dardausgabe, ohne die Post wirklich zu senden.
empfänger
Name des Empfängers oder der Empfänger, mit dem oder denen die
mailsurr-datei getestet werden soll.
-x mail erzeugt eine Datei namens /tmp/MLDBGprozeßnummer, die Infor-
mationen darüber enthält, wie mail die aktuelle Nachricht bear-
beitet hat.
Diese Informationen sind ausführlicher als die, die Sie mit der
Option -T erhalten und sind daher vor allem für Systemverwalter
interessant.
debuglevel
Angabe einer positiven oder negativen ganzen Zahl. Der absolute
Wert von debuglevel bestimmt, wie ausführlich die Informationen
sind. Falls debuglevel größer als 0 ist, werden Informationen
nur dann ausgegeben, wenn mail bei der Abarbeitung der Nachricht
Probleme hat. Ist debuglevel kleiner als 0, so werden alle für
die Abarbeitung relevanten Daten gesichert. Ist debuglevel
gleich 0, dann findet keine Aufzeichnung statt.
debuglevel hat Vorrang vor dem Wert von DEBUG in
/etc/mail/mailcnfg.
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mail(1) mail(1)
andere-mail-optionen
mail-Sende-Optionen, die getestet werden sollen.
-- Ende der Optionenliste. Die Angabe ist nötig, wenn empfänger mit
- beginnt.
empfänger
Name des Empfängers oder der Empfänger, für den oder die der Sen-
demechanismus geprüft werden soll.
ENDESTATUS
0 Im Briefkasten lagen Nachrichten und mail wurde erfolgreich been-
det. Beim Senden und im Fehlersuchmodus ist der Endestatus gleich
0, sofern kein Fehler aufgetreten ist.
1 Im Briefkasten lagen keine Nachrichten oder während der Initiali-
sierung ist ein Fehler aufgetreten.
>1 Nach der Initialisierung ist ein Fehler aufgetreten.
INTERNATIONALE UMGEBUNG
Die Umgebungsvariable LCMESSAGES bestimmt die Sprache der Meldungs-
texte.
LCCTYPE bestimmt die Zeichenklassen und die Zeichenkonvertierung.
LCCOLLATE beeinflußt die Sortierreihenfolge.
Die Umgebungsvariable LCTIME bestimmt das Format der Datums- und Zei-
tangaben. Wenn LCMESSAGES, LCCTYPE, LCCOLLATE oder LCTIME nicht
oder als leere Zeichenkette definiert ist, wird der Wert von LANG als
Standardwert für die jeweils nicht gesetzte oder leere Variable heran-
gezogen. Ist auch LANG nicht oder als leere Zeichenkette definiert,
verhält sich das System so, als wäre es nicht internationalisiert.
Die Umgebungsvariable LCALL bestimmt die gesamte internationale Umge-
bung. LCALL hat Vorrang vor allen anderen Umgebungsvariablen im
Bereich der Internationalisierung.
Hat eine der Variablen für die internationale Umgebung einen ungülti-
gen Wert, verhält sich das System so, als wäre keine Variable gesetzt.
BEISPIELE
Beispiel 1
Nachricht senden
Der Benutzer felix will an zwei andere Benutzer eine Nachricht senden:
an fioretto am gleichen Rechner und an hadea am Rechner saturn. Für
jeden der Empfänger soll eine zusätzliche To-Kopfzeile (-t) eingetra-
gen werden. Außerdem will der Absender darüber informiert werden, ob
die Nachricht erfolgreich angekommen ist (Transport-Options).
Seite 13 Reliant UNIX 5.44 Gedruckt 11/98
mail(1) mail(1)
$ mail -t fioretto saturn!hadea
oder
$ mail -t fioretto hadea@saturn
Transport-Options: /delivery
Gruess Dich!
Muss Dir mitteilen, dass die Sitzung am Freitag ausfaellt: Gattin
hat sich leider beim Tetrisspielen die Finger verstaucht. Neuer
Termin wird naechste Woche vereinbart.
Bis dann, Felix
.
$
Beispiel 2
Nachricht lesen und beantworten
Der Benutzer hadea hat die Meldung you have mail erhalten und läßt
sich die neue Nachricht ausgeben. Er antwortet dem Absender und allen
anderen Empfängern (r) und sieht damit die Nachricht zum Löschen vor.
Da er mail mit q beendet, wird die Nachricht gelöscht.
$ mail
From felix Wed Jun 19 19:36:07 1991 remote from pluto.abt3
Received: from pluto.abt3 (pluto) by saturn.abt3.cortinus.de
at Wed, 19 Jun 91 19:36:05 +0100 (5.52.1/COR-1.1) with SMTP
From: felix@pluto.abt3
Date: Wed, 19 Jun 91 19:24 MDT
To: fioretto@pluto
To: hadea@saturn
Content-Type: text
Content-Length: 199
Gruess Dich!
Muss Dir mitteilen, dass die Sitzung am Freitag ausfaellt: Gattin
hat sich leider beim Tetrisspielen die Finger verstaucht. Neuer
Termin wird naechste Woche vereinbart.
Bis dann, Felix
? r pluto!fioretto
mail pluto!felix pluto!fioretto
Gruss zurueck!
Wie waere es, wenn wir Gattin einen kleinen Besuch abstatteten?
hadea
.
q
$
Seite 14 Reliant UNIX 5.44 Gedruckt 11/98
mail(1) mail(1)
DATEIEN
dead.letter
In dieser Datei sichert mail Nachrichten, die z. B. wegen eines
Fehlers nicht abgeschickt werden können oder für die die Textein-
gabe mit <CTRL-D> abgebrochen wurde. Die Datei wird im aktuellen
Verzeichnis bzw. im Login-Verzeichnis des Benutzers angelegt und
prinzipiell nicht überschrieben, sondern erweitert.
$HOME/mbox
Standarddatei, in der Nachrichten mit s, w oder y gesichert wer-
den.
/etc/passwd
Systemdatei mit allen Benutzerkennungen.
/etc/mail/mailsurr
Systemtestdatei zur Fehlersuche.
/etc/mail/mailcnfg
Informationsdatei zur Initialisierung.
/tmp/ma*
Temporäre Datei.
/tmp/MLDBG*
Datei für Informationen im Fehlersuchmodus.
/var/mail/*.lock
Sperre für Post-Verzeichnis.
/var/mail/:saved
Verzeichnis mit temporären Dateien, in denen Daten für den Fall
eines Systemzusammenbruchs gesichert werden.
/var/mail/$USER
Standardbriefkasten (siehe $MAIL) des Benutzers $USER. Darin
sucht mail ankommende Nachrichten.
SIEHE AUCH
chmod(1), login(1), mailx(1), notify(1), sh(1), uuencode(1),
vacation(1), write(1), mailpipe(1M), mailcnfg(4), mailsurr(4).
Seite 15 Reliant UNIX 5.44 Gedruckt 11/98