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xntpd(1M)                                                         xntpd(1M)

NAME
     xntpd, in.xntpd - NTP-Dämon

SYNTAX
     in.xntpd [-bdg] [-c conffile] [-f driftfile] [-l logfile] [-p pidfile]
              [-r broadcastdelay]

BESCHREIBUNG
     in.xntpd ist ein Dämonprozeß, der die lokale Uhrzeit eines Reliant
     UNIX Systems verwaltet, eventuell in Zusammenarbeit mit Internet-
     Standardservern. in.xntpd ist eine vollständige Implementierung des
     Network Time Protocol (NTP) Version 3. NTP V3 ist im RFC 1305 defi-
     niert. NTP V3 ist kompatibel zu den Versionen 1 und 2, die in den RFCs
     1059 bzw. 1119 definiert sind. in.xntpd führt alle Berechnungen in
     Festpunktarithmetik durch. Auch hochpräzise Zeitgeber lassen sich mit
     der dabei verwendeten Genauigkeit unterstützen.

     Konfigurationsparameter für in.xntpd werden beim Start aus einer Kon-
     figurationsdatei, normalerweise /etc/ntp.conf, gelesen. Wird in.xntpd
     nur als Broadcast-Client verwendet, kommt man auch ohne Konfigurati-
     onsdatei aus. Interne Variablen und/oder Konfigurationsparameter von
     in.xntpd können mit dem Kommando ntpq(1M) angezeigt oder verändert
     werden.

     Der lokale in.xnptd kann gegenber fernen Rechnern in einen der Modi
     "symmetrisch aktiv/passiv", "Client/Server" und "Broadcast-Client/-
     Server" konfiguriert werden. Ein Broadcast-Client erkennt automatisch
     ferne Server und berechnet Zeitkorrekturen aufgrund von Nachrichten-
     laufzeiten zwischen Server und Client. Broadcast-Clients lassen sich
     vollständig über Parameter in der Kommandozeile konfigurieren.

OPTIONEN
     -b   in.xntpd ist Broadcast-Client, d. h. er empfängt NTP-Broadcasts
          und synchronisiert die lokale Uhrzeit demgemäß.

     -c conffile
          Gibt den Namen der Konfigurationsdatei an (Standardwert:
          /etc/ntp.conf).

     -d   in.xntpd wird im Testmodus (Debugging Mode) gestartet. Diese
          Option kann mehrfach angegeben werden, was zu umfangreicheren
          Testmeldungen führt.

     -g   in.xntpd korrigiert die lokale Systemzeit aufgrund eines empfan-
          genen Zeitstempels in jedem Fall. Ohne diese Option wird sie nur
          dann korrigiert, wenn sie gegenüber dem empfangenen Zeitstempel
          um nicht mehr als 1000 Sekunden abweicht.

     -f driftfile
          Gibt den Namen der Drift-Datei an (siehe unten).





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xntpd(1M)                                                         xntpd(1M)

     -l logfile
          Gibt den Namen der Protokolldatei für syslog(3C)-Meldungen an.

     -p pidfile
          Gibt den Namen der Datei an, in dem in.xntpd seine Prozeßnummer
          hinterlegt.

     -r broadcastdelay
          Normalerweise gleicht in.xntpd Nachrichtenlaufzeiten zwischen
          einem Broadcast-Server und dem Client automatisch aus. Wenn diese
          Kalibrierung fehlschlägt, wird statt dessen der als
          broadcastdelay (in Sekunden) angegebene Wert verwendet.

KONFIGURATIONSPARAMETER
     Das Format der Konfigurationsdatei für in.xntpd ähnelt anderen Reliant
     UNIX Konfigurationsdateien. Kommentare werden durch das Zeichen # ein-
     geleitet und gelten bis zum Zeilenende. Leerzeilen werden ignoriert.
     Konfigurationsanweisungen bestehen aus einem Schlüsselwort, gefolgt
     von einer Liste von Argumenten, die durch Zwischenraumzeichen vonein-
     ander getrennt sind. Eine Anweisung darf sich nicht über mehrere Zei-
     len erstrecken. Optionale Argumente werden in den folgenden Anweisun-
     gen in [] eingeschlossen, und zwischen alternativ anzugebenden Argu-
     menten steht ein |.

     peer hostaddress [version#][prefer]
     server hostaddress [version#][prefer]
     broadcast hostaddress [version#][ttl#]
          Die mit hostaddress bezeichneten Rechneradressen müssen in
          Punktnotation angegeben werden.

          Die peer-Anweisung setzt den lokalen in.xntpd in den Modus "sym-
          metrisch aktiv" gegenüber dem NTP-Server auf dem fernen Rechner
          hostaddress. In diesem Modus können sich beide Server gegensei-
          tig synchronisieren. Dies ist sinnvoll, wenn aufgrund unter-
          schiedlicher Fehlerszenarien jeder der beiden Server der zuver-
          lässigere Zeitgeber sein könnte.

          Die server-Anweisung setzt den lokalen in.xntpd in den "Client"-
          Modus gegenüber dem angegebenen Server. In diesem Modus wird der
          lokale in.xntpd durch den fernen NTP-Server synchronisiert, aber
          nicht umgekehrt.

          Die broadcast-Anweisung etabliert den lokalen in.xntpd als
          Broadcast-Server. Er versendet periodisch Zeitstempel über die
          angegebene Broadcastadresse an seine Clients. Der Betrieb als
          Broadcast-Client ist unter dem Kommando broadcastclient beschrie-
          ben.

          Mit der Option version# kann die Versionsnummer für abgehende
          NTP-Pakete eingestellt werden. Mögliche Werte sind 1, 2 und 3,
          Standardwert ist 3.



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xntpd(1M)                                                         xntpd(1M)

          Mit der Option prefer kann ein Partner als "bevorzugt" markiert
          und damit unter ansonsten gleichwertigen Kandidaten für die Syn-
          chronisierung ausgewählt werden.

          Die Option ttl# kann nur für einen Broadcast-Server verwendet
          werden. Sie gibt die Lebensdauer (time-to-live) von NTP-Broad-
          casts auf dem Netz in Sekunden an. Der Standardwert ist 127.

     broadcastclient
          Dadurch wird der lokale in.xntpd angewiesen, die lokale System-
          zeit anhand von eingehenden NTP-Broadcasts zu synchronisieren.
          Beim Empfang der ersten Broadcast-Nachricht wird ein kurzer
          Datenaustausch mit dem Broadcast-Server initiiert, um die Nach-
          richtenlaufzeit gegenüber dem Server zu messen, die in die
          Berechnung der lokalen Systemzeit eingeht.

     driftfile filename
          Diese Anweisung benennt die Datei, die die Genauigkeitsabweichung
          des lokalen Oszillators enthält. Der Wert dient dazu, einen Aus-
          gleich zu lokalen Frequenzschwankungen zu errechnen und wird nur
          benötigt, wenn die lokale Systemzeit mit hoher Genauigkeit syn-
          chronisiert werden muß. Wenn driftfile nicht existiert oder die
          driftfile-Anweisung fehlt, wird eine Abweichung von 0 angenommen.
          Ansonsten wird die Abweichung als Gleitpunktwert in Vielfachen
          von 10^-6 (parts-per-million, ppm) angegeben.

     enable bclient | pll
     disable bclient | pll
          Damit können Optionen für in.xntpd ein- oder ausgeschaltet wer-
          den. Durch das Flag bclient wird in.xntpd in die Rolle eines
          Broadcast-Clients versetzt (siehe oben). Der Standardwert ist
          off. Durch das Flag pll (Standardwert: on) wird die Aktualisie-
          rung der lokalen Systemzeit eingeschaltet. Das Ausschalten dieses
          Flags ist nur sinnvoll, wenn in.xntpd zwar andere Rechner syn-
          chronisiert, die eigene Systemzeit aber durch anderweitige Mecha-
          nismen eingestellt werden soll.

PARAMETER ZUR ZUGRIFFSKONTROLLE
     restrict address [mask numericmask] [flag] [...]
          in.xntpd verwaltet eine Zugriffskontrollliste zuf der Basis von
          Hostadressen und Adreßmasken. Die Absenderadresse empfangener
          NTP-Pakete wird zunächst mit der Maske eines Listeneintrags AND-
          verknüpft und dann mit der angegebenen Adresse verglichen. Stim-
          men beide Adressen überein, dann trifft die Zugriffsbeschränkung
          für das empfangene Paket zu. Standardwert für das mask-Argument
          ist 255.255.255.255, d. h. das address-Argument wird als Adresse
          eines einzelnen Rechners interpretiert.

          Die flag-Argumente definieren die Zugriffsbeschränkungen für
          Rechner, deren Adressen auf den Listeneintrag in der oben
          beschriebenen Weise zutreffen:



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xntpd(1M)                                                         xntpd(1M)

          ignore
               Alle NTP-Pakete dieser Rechner werden ignoriert.

          noquery
               NTP-Pakete dieser Rechner werden ignoriert, wenn es sich um
               Pakete der Modi 6 und 7 (Statusabfragen und Konfigurations-
               aufträge) handelt.

          nomodify
               NTP-Pakete dieser Rechner werden ignoriert, wenn es sich um
               Pakete der Modi 6 und 7 handelt, die Daten auf dem lokalen
               Rechner verändern.

          notrap
               Trap-Nachrichten dieser Rechner aufgrund spezieller Modus-
               6-Pakete werden ignoriert.

          lowpriotrap
               Trap-Dienste für diese Rechner werden als niederprior einge-
               stuft. in.xntpd kann bis zu 3 Trap-Dienste verwalten und
               lehnt normalerweise Aufträge für weitere ab. Niederpriore
               Dienste werden jedoch durch neu eingehende Aufträge über-
               schrieben.

          noserve
               NTP-Pakete dieser Rechner werden ignoriert, wenn es sich
               nicht um Pakete der Modi 6 und 7 handelt, Statusabfragen und
               Konfigurationsaufträge sind also zugelassen, empfangene
               Zeitstempel werden aber nicht beachtet.

          nopeer
               Der lokale in.xntpd nimmt gegenüber diesen Rechnern eine
               rein passive Rolle ein, in der lediglich eingehende Synchro-
               nisationsaufträge beantwortet werden.

          notrust
               Der lokale in.xntpd nimmt keine Synchronisation aufgrund von
               NTP-Paketen dieser Rechner vor.

          limited
               Diese Rechner unterliegen einer Limitierung für die Anzahl
               aktiver Clients aus demselben Netz (gemäß IP-Definition für
               Class A, B, C). Der Standardwert hierfür ist 3 und kann
               durch die Anweisung clientlimit (siehe unten) geändert wer-
               den. Als aktiv gelten nur Clients, deren Zeitstempel nicht
               länger als eine vorgegebene Inaktivitätszeit (Standardwert:
               3600 Sekunden) zurückliegen. Die Inaktivitätszeit kann mit
               der Anweisung clientperiod (siehe unten) geändert werden.






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xntpd(1M)                                                         xntpd(1M)

          ntpport
               Hier handelt es nur um einen Modifikator für eine bereits
               angegebene Zugriffsbeschränkung. Sie bedeutet, daß die
               Beschränkung nur dann wirksam ist, wenn die Portnummer des
               Absenders der Standard-UDP-Port für NTP (123) ist. Damit
               in.xntpd sich nicht zu sich selbst synchronisiert, werden
               beim Start für jede Netzadresse restrict-Einträge mit den
               Flags ignore und ntpport in die Zugriffskontrolliste aufge-
               nommen.

          clientlimit limit
               Diese Anweisung definiert die maximale Anzahl von Clients
               aus demselben Netz, die den lokalen in.xntpd als Server
               benutzen dürfen (Standardwert: 3).

          clientperiod period
               Diese Anweisung definiert die Inaktivitätszeit für limit-
               ierte Clients in Sekunden (Standardwert: 3600). Ein Client,
               der über diesen Zeitraum hinweg keine Zeitstempel an den
               in.xntpd schickt, wird für die Limitierung nicht mehr
               berücksichtigt.

SONSTIGE PARAMETER
     broadcastdelay sekunden
          Normalerweise gleicht in.xntpd Nachrichtenlaufzeiten zwischen
          einem Broadcast-Server und dem Client automatisch durch ein
          eigens dafür vorgesehenes Nachrichtenprotokoll aus. Wenn diese
          Kalibrierung fehlschlägt, wird ein Standardwert von 0.004 Sekun-
          den verwendet, falls nicht mit dem Kommando broadcastdelay ein
          anderer Wert angegebenen worden ist.

     trap hostaddress
          Diese Anweisung konfiguriert einen Empfänger für Trap-Nachrichten
          auf dem angegebenen Rechner. Trap-Nachrichten werden von in.xntpd
          in Ausnahme- oder Fehlersituationen versendet und vom Empfänger
          protokolliert.

ADRESSIERUNG VON ZEITGEBERN
     In Reliant UNIX kann nur die Systemuhr des lokalen Rechners als Zeit-
     geber konfiguriert werden. Im Prinzip läßt NTP aber auch die Konfigu-
     ration anderer Zeitgeber zu, z. B. Funkempfänger für DCF77-Signale.

     Zeitgeber werden analog zu Partnerrechnern adressiert. Hierfür werden
     Pseudo-IP-Adressen der Form 127.127.t.u verwendet, die als normale
     IP-Adressen ungültig sind. t bezeichnet den Typ des Zeitgebers, u ist
     typspezifisch. Die lokale Systemuhr wird mit der Pseudo-IP-Adresse
     127.127.1.0 angegeben.







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xntpd(1M)                                                         xntpd(1M)

     Zeitgeber werden über die server-Anweisung konfiguriert, wobei als
     Rechneradresse die Adresse des Zeitgebers einzutragen ist. Das Argu-
     ment version# darf nicht angegeben werden, die Verwendung von prefer
     ist dagegen erlaubt. Auf einem Broadcast-Server, der die lokale
     Systemzeit verteilt, muß hingegen in der Konfigurationszeile für die
     Systemuhr die Option prefer angegeben sein.

     Eine alternative und weitergehende Anweisung für die Konfiguration
     eines Zeitgebers ist das fudge-Kommando. Das allgemeine Format dieses
     Kommandos ist:

     fudge 127.127.t.u [stratum int]
          Für die Konfiguration der lokalen Systemuhr kann das stratum-
          Argument von Bedeutung sein. stratum gibt an, über wieviele Sta-
          tionen in.xntpd einen Zeitstempel höchster Genauigkeit von einem
          externen Zeitgeber erfragen kann. Server mit stratum 1 haben
          direkten Zugang zu externen Zeitsignalen. Server, die ihre Zeit-
          stempel von Stratum-1-Servern erhalten, sind Stratum-2-Server
          usw.

          stratum ist das Hauptkriterium, nach dem in.xntpd als Client
          einen Server unter mehreren möglichen auswählt. Auch die lokale
          Systemuhr ist aus der Sicht von in.xntpd ein "Server". Der Stan-
          dardwert für ihr Stratum ist 3. Durch Angabe eines niedrigeren
          oder höheren Wertes für ihr Stratum in der fudge-Anweisung kann
          sie gegenüber anderen Servern bevorzugt bzw. zurückgestellt wer-
          den.

DATEIEN
     /etc/ntp.conf
          Standardname der Konfigurationsdatei

SIEHE AUCH
     ntpdate(1M), ntpq(1M), ntptrace(1M).




















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