localedef(1) localedef(1)
NAME
localedef - Internationale Umgebung definieren
SYNTAX
localedef [-bcqs] [-d[debug-level]] [-f charmap] [-i sourcefile] name
BESCHREIBUNG
Das Kommando localedef konvertiert Quelldefinitionen für Kategorien
der internationalen Umgebungen in ein Format, das von den Funktionen
und Kommandos verwendet werden kann, deren Ausführungsverhalten durch
die Einstellungen der Variablen für die internationale Umgebung
bestimmt wird. Dieses Format ist in der XBD-Spezifikation, Kapitel 5,
Locale definiert.
Jeder Benutzer eines Reliant UNIX Systems hat die Möglichkeit, lokal
neue internationale Umgebungen zu erstellen. Jedoch können nur Benut-
zer mit entsprechender Berechtigung (normalerweise Systemadministrato-
ren) diese internationalen Umgebungen auf dem System installieren, so
daß sie von Funktionen, Anwendungen und Kommandos verwendet werden
können. Dies geschieht entweder durch Kopieren der lokal erstellten
Dateien nach /usr/lib/locale/name und /usr/lib/charmap/charmap oder
einfacher durch Verwenden der Option -s.
localedef liest Quelldefinitionen für eine oder mehrere Kategorie(n)
der internationalen Umgebungen, die zu derselben internationalen Umge-
bung gehören, aus der mit der Option -i angegebenen Datei (falls ange-
geben) oder von der Standardeingabe.
Der Operand name kennzeichnet die Zielumgebung. Das Kommando unter-
stützt die Erstellung internationaler Umgebungen, die "öffentlich"
sind (d. h. allgemein zugänglich), sowie internationaler Umgebungen,
die privat sind (d. h. mit eingeschränkten Zugriffsrechten). Auf Reli-
ant UNIX Systemen dürfen allgemein zugängliche, internationale Umge-
bungen nur von Benutzern mit den entsprechenden Berechtigungen
erstellt bzw. geändert werden.
Jede Quelldefinition einer Kategorie wird durch den Namen der zugehö-
rigen Umgebungsvariablen gekennzeichnet und mit einer Anweisung END
category-name abgeschlossen. Die folgenden Kategorien werden unter-
stützt:
LCCTYPE Definiert die Klassifizierung von Zeichen und die
Umsetzung von Klein-/Großschreibung.
LCCOLLATE Definiert die Sortierregeln.
LCMONETARY Definiert das Format und die Symbole, die für die For-
matierung von Währungsangaben verwendet werden.
LCNUMERIC Definiert das Dezimalzeichen, die Gruppierung und das
Symbol "grouping" für das Editieren von numerischen
Angaben (keine Währungsangaben).
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localedef(1) localedef(1)
LCTIME Definiert Format und Inhalt von Datums- und Uhrzeitan-
gaben.
LCMESSAGES Definiert Format und Werte für Ja-/Nein-Antworten
(Bestätigungen und Ablehnungen).
OPTIONEN
-b Unterdrückt Warnungen für Abwärtskompatibilität. Die vom Kommando
localedef erstellte Ausgabe kann von jeder internationalisierten
Reliant UNIX Anwendung verwendet werden, und zwar auch von älte-
ren Anwendungen, die es bereits vor der Einführung von localedef
gab. Die Internationalisierungsmechanismen früherer Anwendungen
waren weniger differenziert als heutige Methoden. Wenn eine
Quelldatei von localedef neue Mechanismen enthält und die Option
-b nicht verwendet wird, werden Warnungen ausgegeben, da die
älteren Anwendungen diese neue Funktionalität nicht nutzen kön-
nen.
-c Erstellt eine Ausgabedatei, auch wenn Warnmeldungen ausgegeben
wurden.
-d[debug-level]
Testhilfemeldungen (grammatikalische Angaben) werden auf die
Standardausgabe ausgegeben. Diese Option ist besonders für Ent-
wickler neuer internationaler Umgebungen nützlich. Der ganzzah-
lige Wert debug-level (falls vorhanden) darf nicht durch Leerzei-
chen vom Buchstaben "d" getrennt werden.
-f charmap
Gibt den Pfadnamen einer Datei an, die eine Zuordnung von den
symbolischen "character symbols" und "collating element symbols"
zu tatsächlichen Zeichencodierungen enthält (Zeichentabelle). Das
Format von charmap ist in der XBD-Spezifikation, Abschnitt 4.4,
Character Set Description File, beschrieben. Diese Option muß
angegeben werden, wenn symbolische Namen verwendet werden, die
nicht mittels Schlüsselwort collating-symbol definiert wurden.
Ist die Option -f nicht angegeben, wird die in der Datei
/usr/lib/charmap/posix definierte Zeichenzuordnung (ISO 8859-1)
verwendet.
-i inputfile
Der Pfadname einer Datei, die die Quelldefinitionen enthält. Wenn
diese Option nicht angegeben ist, werden die Quelldefinitionen
von der Standardeingabe gelesen. Das Format der Eingabedatei ist
in der XBD-Spezifikation, Abschnitt 5.3, Locale Definition,
beschrieben.
-q Es erfolgt keine Ausgabe auf die Standardausgabe.
-s Option für den Systemadministrator. Installiert die generierten
internationalen Umgebungen (und unter Umständen die neue Datei
charmap) in /usr/lib/locale/name (bzw. in /usr/lib/charmap/charmap).
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localedef(1) localedef(1)
name Gibt die internationale Umgebung an. Die Verwendung dieses Namens
kann in der XBD-Spezifikation, Kapitel 5, Locale, nachgelesen
werden.
- Wenn name einen oder mehrere Schrägstriche enthält, wird name
als Pfadname interpretiert, in dem die erstellten Definitionen
für die internationalen Umgebungen gespeichert werden.
- Wenn name keine Schrägstriche enthält und die Option -s ver-
wendet wird, ist die internationale Umgebung allgemein zugäng-
lich und wird unter /usr/lib/locale/name generiert. Diese Mög-
lichkeit ist auf Benutzer mit den entsprechenden Berechtigun-
gen beschränkt.
- Wenn name keine Schrägstriche enthält und die Option -s nicht
verwendet wird, ist die internationale Umgebung privat und
wird im aktuellen Verzeichnis generiert.
Da nur ein Name angegeben werden kann, können bei einem Aufruf
nur Kategorien verarbeitet werden, die derselben internationalen
Umgebung angehören.
STANDARDEINGABE
Wenn die Option -i nicht angegeben ist, muß die Standardeingabe eine
Textdatei sein, die eine oder mehrere Quelldefinitionen für Kategorien
für internationale Umgebungen enthält, wie in der XBD-Spezifikation,
Abschnitt 5.3, Locale Definition, beschrieben. Wenn Zeilen mit Hilfe
des Escape-Mechanismus fortgesetzt werden, gibt es keine Längenbe-
schränkungen für die gesamte Eingabezeile.
EINGABEDATEIEN
Die Datei, die die Beschreibung des Zeichensatzes enthält, (Argument
charmap bei -f) ist in der XBD-Spezifikation, Abschnitt 4.4, Character
Set Description File, beschrieben. Wenn eine Quelldefinition einer
Kategorie für eine internationale Umgebung die Anweisung copy enthält
(wie in der XBD-Spezifikation, Kapitel 5, Locale, beschrieben) und
diese Anweisung eine gültige internationale Umgebung angibt, verhält
sich localedef so, als enthielte die Quelldefinition eine gültige
Quelldefinition der Kategorie für die angegebene internationale Umge-
bung.
UMGEBUNGSVARIABLEN
Die folgenden Umgebungsvariablen wirken sich auf die Ausführung von
localedef aus:
LANG Gibt einen Standardwert für Internationalisierungsvariablen
an, die nicht gesetzt oder null sind. Ist LANG nicht gesetzt
oder null, wird der entsprechende Standardwert der interna-
tionalen Umgebung verwendet. Enthält eine der Internationali-
sierungsvariablen eine ungültige Einstellung, verhält sich
das Kommando so, als sei keine der Variablen definiert wor-
den.
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localedef(1) localedef(1)
LCALL Ist diese Variable auf einen Wert gesetzt, d. h. ist sie
nicht leer, überschreibt dieser Wert die Werte aller übrigen
Variablen für die internationale Umgebung.
LCCOLLATE
(Diese Variable hat keine Auswirkungen auf localedef; für
diese Kategorie wird die internationale Umgebung von POSIX
verwendet.)
LCCTYPE Legt die internationale Umgebung für die Interpretation von
Bytefolgen als Zeichen fest (zum Beispiel Einzelbytezeichen
im Unterschied zu Mehrbytezeichen in Argumenten und Eingabe-
dateien). Diese Variable wirkt sich nicht auf die Verarbei-
tung von Eingabedaten des Kommandos aus. Hierfür wird die
internationale Umgebung von POSIX verwendet, und zwar unab-
hängig vom Wert dieser Variablen.
LCMESSAGES
Legt das Format und den Inhalt von Meldungen fest.
NLSPATH Legt die Position der Meldungskataloge für die Verarbeitung
von LCMESSAGES fest.
AUSGABEDATEIEN
Das Format der erstellten Ausgabe entspricht dem Format der Interna-
tionalisierungsdatenbank auf Reliant UNIX Systemen:
name (falls Schrägstriche enthalten sind) oder /usr/lib/locale/name
(ohne Schrägstriche und mit der Option -s) oder ./name (ohne Schräg-
striche und ohne die Option -s) ist der Pfadname eines Verzeichnisses,
das die folgenden neu generierten Dateien enthält:
LCCOLLATE Datei mit Sortierangaben
LCCTYPE Datei mit Angaben zum Zeichentyp (ctype)
LCMONETARY Datei mit Währungsangaben
LCNUMERIC Datei mit numerischen Angaben
LCTIME Datei mit Datums- und Uhrzeitangaben
LCMESSAGES Verzeichnis mit Meldungsangaben
LCMESSAGES/Xopeninfo
Datei mit Ja-/Nein-Angaben
locinfo Datei mit Angaben zu Name und Pfad der Zeichentabelle
Ferner wird eine Kopie der Zeichentabelle in /usr/lib/charmap
gestellt, wenn die Optionen -f und -s verwendet werden.
ENDESTATUS
Die folgenden Endewerte werden übergeben:
0 Es sind keine Fehler aufgetreten und die internationalen Umgebungen
wurden erfolgreich erstellt.
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localedef(1) localedef(1)
1 Es wurden zwar Warnungen ausgegeben, die internationalen Umgebungen
wurden jedoch erfolgreich erstellt.
2 Die Angabe der internationalen Umgebung hat Grenzen der Implemen-
tierung überschritten oder der codierte Zeichensatz bzw. die ver-
wendeten Zeichensätze wurden von der Implementierung nicht unter-
stützt. Es wurde keine internationale Umgebung erstellt.
4 Es sind Warnungen oder Fehler aufgetreten, und es wurde keine Aus-
gabe erzeugt.
AUSWIRKUNG VON FEHLERN
Wenn ein Fehler in den Eingabedateien gefunden wird, wird keine Ausga-
bedatei erstellt.
Wenn Warnungen auftreten, wird eine Ausgabedatei erstellt, sofern die
Option -c angegeben wurde. Bei folgenden Bedingungen werden Warnmel-
dungen ausgegeben:
- Ein in der Datei charmap nicht enthaltener symbolischer Name wurde
für die Beschreibungen der Kategorien LCCTYPE oder LCCOLLATE ver-
wendet (bei anderen Kategorien kommt es hierdurch zu einer Fehler-
bedingung).
- Die Anzahl der Operanden für das Schlüsselwort order überschreitet
die {COLLWEIGHTSMAX}-Grenze.
- Die Quelle enthält optionale, von der Implementierung nicht unter-
stützte Schlüsselwörter.
ANWENDUNGSHINWEISE
Die Definition der Zeichentabelle ist optional und ist nicht in der
Definition der internationalen Umgebung enthalten. Hierdurch sind
sowohl vollständig selbstdefinierte Quelldateien als auch allgemeine
Quellen (die auf mehrere codierte Zeichensätze anwendbar sind) mög-
lich. Zur besseren Portabilität müssen alle Zeichentabellendefinitio-
nen dieselben symbolischen Namen für portierbare Zeichensätze haben.
Wie in der XBD-Spezifikation, Abschnitt 4.4, Character Set Description
File, beschrieben, ist es von der jeweiligen Implementierung abhängig,
ob Benutzer oder Anwendungen zusätzliche Beschreibungsdateien für Zei-
chensätze einsetzen können. Daher arbeitet die Option -f möglicher-
weise nur dann korrekt, wenn eine von der Implementierung unterstützte
charmap angegeben wurde.
SIEHE AUCH
locale(1).
X/Open CAE Specification. System Interface Definitions, Issue 4 (XBD).
ISBN: 1-872630-46-4
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