getty(8) getty(8)
NAME
getty - Terminaltyp, Modi, Geschwindigkeit und Leitungsprozedur setzen
SYNTAX
/sbin/getty [-h] [-t timeout] line [speed [type [linedisc]]]
/sbin/getty -c file
BESCHREIBUNG
getty ist ein Programm, das durch init(1M) aufgerufen wird. Es ist der
zweite Prozeß in der Folge init-getty-login-shell, über den der Benut-
zer letztlich mit dem Betriebssystem verbunden wird. Dieses Programm
kann nur vom Systemverwalter (Superuser) ausgeführt werden, das heißt
durch einen Prozeß mit der Benutzer-ID root. Zunächst gibt getty das
Login-Meldungsfeld für den Eintrag aus, der aus /etc/gettydefs verwen-
det wird. getty liest den Anmeldenamen des Benutzers und ruft das Kom-
mando login(1) auf, wobei der Benutzername als Argument angegeben
wird. Beim Lesen des Namens versucht getty, das System an die
Geschwindigkeit und den Typ des verwendeten Terminals anzupassen.
Hierzu werden die in der Kommandozeile angegebenen Optionen und Argu-
mente verwendet.
Die beiden Dateien /usr/lib/terminfo und /etc/termtab werden anschlie-
ßend gelesen, um die Initialisierungsketten und den Landescode für
keyload(1M) [97801] abzurufen.
OPTIONEN
line Name einer TTY-Leitung in /dev, an die sich getty anschlie-
ßen soll. getty verwendet diese Zeichenkette als Namen einer
Datei im Verzeichnis /dev, die für Lese- und Schreibvorgänge
geöffnet werden soll.
-h Wenn das Flag -h nicht gesetzt ist, wird die Leitung zuerst
abgehängt, indem die Geschwindigkeit auf Null gesetzt wird,
bevor sie auf die Voreinstellung oder die angegebene
Geschwindigkeit gesetzt wird.
-t timeout
Gibt an, daß getty beenden soll, wenn das Öffnen der Leitung
erfolgreich war und innerhalb von timeout Sekunden keine
Eingabe erfolgt.
speed Das Argument speed ist ein Kennsatz für eine Geschwindigkeit
und die TTY-Definition in der Datei /etc/gettydefs. Diese
Definition teilt getty die Anfangsgeschwindigkeit mit, das
Aussehen der Login-Meldung, die Anfangs-TTY-Einstellungen
sowie die Geschwindigkeit, die als nächstes versucht werden
soll, falls der Benutzer durch Drücken der BREAK-Taste
angibt, daß die aktuelle Geschwindigkeit nicht geeignet ist.
Die Voreinstellung für speed ist 300 Baud.
Seite 1 Reliant UNIX 5.44 Gedruckt 11/98
getty(8) getty(8)
type Das Argument type ist eine Zeichenkette, die den Typ des mit
der entsprechenden Leitung verbundenen Terminals angibt.
getty erkennt die folgenden Typen:
none Voreinstellung
ds40-1 Dataspeed40/1
tektronix, tek Tektronix
vt61 DEC vt61
vt100 DEC vt100
hp45 Hewlett-Packard 45
c100 Concept 100
Die Voreinstellung für das Terminal ist none, das heißt,
jedes CRT- oder normales Terminal, das dem System nicht
bekannt ist. Damit Terminaltypen überhaupt erkannt werden,
müssen die virtuellen Terminal-Handlerprogramme für das
Betriebssystem kompiliert werden. Standardmäßig sind diese
Programm zwar verfügbar, jedoch nicht kompiliert.
linedisc Das Argument linedisc ist eine Zeichenkette, die beschreibt,
welche Leitungsprozedur bei der Kommunikation mit dem Termi-
nal verwendet werden soll. Auch hier sind die Möglichkeiten
für die verschiedenen Leitungsprozeduren im Betriebssystem
zwar vorhanden, jedoch steht zur Zeit nur eine, nämlich die
Standardleitungsprozedur LDISC0, zur Verfügung.
-c file Wenn getty mit der Option -c und der Datei file aufgerufen
wird, wird die Datei so durchsucht, als ob es sich um
/etc/gettydefs handelt, und die Ergebnisse werden auf der
Standardausgabe ausgegeben. Unbekannte Modi oder nicht kor-
rekt aufgebaute Eingaben werden gemeldet. Sind die Eingaben
korrekt, werden die Werte der verschiedenen Flags ausgege-
ben. Erläuterungen zu diesen Werten finden Sie in ioctl(2).
Beachten Sie hierbei, daß einige dieser Werte automatisch zu
den Flags hinzugefügt werden.
Wenn keine optionalen Argumente angegeben werden, legt getty folgendes
fest: Die Geschwindigkeit speed der Schnittstelle wird auf 300 Baud
gesetzt, jede Parität ist zulässig, NL-Zeichen (New Line) werden in
CR/LF-Zeichen (Carriage Return/Line Feed) umgewandelt, und auf der
Standardausgabe werden Tabulatorerweiterungen vorgenommen. getty gibt
den Anmeldebildschirm (Login Prompt) aus, bevor der Benutzername zei-
chenweise gelesen wird. Bei Empfang eines Nullzeichens (oder Rahmen-
fehlers) wird angenommen, daß der Benutzer die BREAK-Taste gedrückt
hat. Daraufhin versucht getty, die nächste der möglichen Geschwindig-
keiten aus der in /etc/gettydefs festgelegten Folge einzusetzen.
Seite 2 Reliant UNIX 5.44 Gedruckt 11/98
getty(8) getty(8)
Der eingegebene Name des Benutzers wird mit einem NL-Zeichen oder
einem CR-Zeichen beendet. Letzteres bewirkt, daß das System CR-Zeichen
entsprechend behandelt [siehe ioctl(2)].
Der Name des Benutzers wird auf alphabetische Zeichen in Kleinschrei-
bung geprüft. Sind keine solchen Zeichen vorhanden, und ist der Name
nicht leer, wird das System aufgefordert, alle fortan eingegebenen
Großbuchstaben auf die entsprechenden Kleinbuchstaben abzubilden.
Zum Schluß wird login mit dem Namen des Benutzers als Argument ausge-
führt. Zusätzliche Argumente können im Anschluß an den Anmeldenamen
eingegeben werden. Diese werden dann an das Kommando login weitergege-
ben, das sie in die entsprechende Umgebung aufnimmt [siehe login(1)].
getty protokolliert alle Fehler über syslogd(1M) unter Verwendung von
auth.crit.
HINWEISE
getty versteht zwar einfache Konventionen, nach denen einzelne Zeichen
in Hochkommas gesetzt werden können und dadurch Ihre Sonderbedeutung
verlieren (entwertet werden). Es ist jedoch nicht möglich, bestimmte
von getty verwendete Sondersteuerzeichen auf diese Weise zu entwerten.
Bei der Anmeldung über getty dürfen daher die Zeichen #, @, /, !, ,
Rückschrittzeichen (Backspace), ^U, ^D oder & nicht im Anmeldenamen
oder in den Argumenten verwendet werden. getty stellt mit Hilfe dieser
Zeichen fest, wann das Ende der Zeile erreicht ist, welches Protokoll
verwendet wird und welches das Löschzeichen (ERASE) ist. Diese Zeichen
werden immer entsprechend ihrer Sonderbedeutung interpretiert.
DATEIEN
/etc/gettydefs
/etc/default/login
/etc/termtab
/etc/terminfo
SIEHE AUCH
ct(1), login(1), init(1M), ioctl(2), gettydefs(4), inittab(4),
login(4), termtab(4), terminfo(4), tty(7).
Seite 3 Reliant UNIX 5.44 Gedruckt 11/98