routed(1M) routed(1M)
NAME
routed, in.routed - Netz-Routing-Dämon
SYNTAX
in.routed [-sqltv] [protokolldatei]
in.routed [-D protokollverzeichnis]
BESCHREIBUNG
routed wird bei Systemstart zum Verwalten der Netz-Routing-Tabellen
aufgerufen. Der Routing-Dämon verwendet eine Variante des Xerox NS
Routing Information Protocol, um die Einträge in der Routing-Tabelle
des Kerns auf dem neuesten Stand zu halten.
Im Normalbetrieb hört routed den udp(7)-Socket 520 (dezimal) auf
Routing-Datenpakete hin ab. Handelt es sich bei dem Rechner um einen
Router, liefert er in regelmäßigen Abständen Kopien seiner Routing-
Tabellen an alle direkt angeschlossenen Rechnern und Netze.
Wenn der Dämon routed gestartet wird, stellt er mit dem ioctl(2)-
Aufruf SIOCGIFCONF fest, welche Schnittstellen am System konfiguriert
und als "aktiv" gekennzeichnet sind (die Loopback-Schnittstelle wird
ignoriert). Sind mehrere Schnittstellen vorhanden, wird angenommen,
daß der Rechner Pakete zwischen verschiedenen Netzen weiterleitet. In
diesem Fall sendet routed dann ein Request-Paket an jede Schnittstelle
(als ein Broadcast-Paket, wenn die Schnittstelle dies unterstützt),
und überprüft das Netz zyklisch auf Request- und Response-Paketen von
anderen Rechnern.
Beim Empfang eines Request-Pakets erzeugt routed anhand der Daten in
seinen internen Routing-Tabellen ein Response-Paket. Es enthält eine
Liste bekannter Routen, die jeweils mit einem metrischen Wert für die
"Anzahl der Zwischenstationen" markiert sind, der anzeigt, über wie-
viele Zwischenstationen eine Nachricht von Sender bis Empfänger über-
tragen werden muß (ein Wert von 16 oder höher wird als "unendlich"
angesehen). Der jeder Route zugeordnete, zurückgegebene metrische Wert
bezieht sich auf den Absender.
Request-Pakete, die routed empfängt, werden zum Aktualisieren der
Routing-Tabellen verwendet, wenn eine der folgenden Bedingungen
erfüllt ist:
1) Für das Zielnetz bzw. den Ziel-Rechner besteht kein Routing-Tabel-
leneintrag, und aus dem metrischen Wert geht hervor, daß das Ziel
"erreichbar" ist, d. h. die Anzahl der Zwischenstationen ist nicht
unendlich.
2) Der Rechner, der das Paket gesendet hat, ist mit dem Gateway-Ein-
trag in dem vorhandenen Routing-Tabelleneintrag identisch. D. h.
aktualisierte Daten stammen von demselben Router, über den die
Pakete für den Empfänger gesendet werden.
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3) Der vorhandene Eintrag in der Routing-Tabelle wurde eine Zeitlang
(definitionsgemäß 90 Sekunden) nicht aktualisiert, und die Route
ist mindestens so günstig wie die aktuelle.
4) Die neue Route gibt einen kürzeren Weg zum Ziel an als die, die zur
Zeit in den Routing-Tabellen gespeichert ist; um dies zu erkennen,
wird der metrische Wert der neuen Route mit dem der gespeicherten
verglichen.
Bei einer Aktualisierung zeichnet routed die Änderung in seinen inter-
nen Tabellen auf und erstellt ein Request-Paket an alle direkt ange-
schlossenen Rechner und Netze. routed wartet kurz (höchstens 30 Sekun-
den), bevor er die Routing-Tabellen des Kerns ändert, damit eventuell
bestehende Instabilitäten bereinigt werden können.
routed verarbeitet nicht nur die ankommenden Pakete, sondern prüft
auch regelmäßig die Einträge in der Routing-Tabelle. Wurde ein Eintrag
3 Minuten lang nicht aktualisiert, wird sein metrischer Wert auf
unendlich gesetzt und zum Löschen freigegeben. Das Löschen selbst
erfolgt erst nach einer zusätzlichen Wartezeit von 60 Sekunden, um
sicherzugehen, daß die Ungültigkeitsmeldung im gesamten Netzverbund
bekannt ist.
routed-Dämonen an einem Router übermitteln ihre Routing-Tabellen alle
30 Sekunden an alle direkt angeschlossenen Rechner und Netze.
OPTIONEN
-s Wird die Option -s angegeben, liefert routed Routing-Informatio-
nen, unabhängig davon, ob der Rechner ein Router ist oder nicht.
-q Die Option -q ist das Gegenteil von der Option -s.
-l Ist die Option -l ("logswitch") angegeben, so kann das Protokol-
lieren von routed-Aktivitäten an- und abgeschaltet sowie der Name
der Protokolldatei geändert werden. Dies geschieht dynamisch mit
RIP TRACEON- und TRACEOFF-Paketen, die zum Dämon geschicket wer-
den.
Falls routed nicht mit -l aufgerufen wurde, werden TRACEON- und
TRACEOFF-Pakete ignoriert.
-t Ist die Option -t angegeben, werden alle gesendeten oder empfan-
genen Pakete auf Standardausgabe ausgegeben (oder in die
protokolldatei, sofern angegeben). Außerdem bleibt routed mit dem
steuernden Terminal verbunden, so daß über Tastatur eingegebene
Interrupts den Prozeß beenden können.
-v Wird routed mit -v aufgerufen, so werden interne routed-Aktivitä-
ten (im allgemeinen Änderungen an der Routing-Tabelle) mit einem
Zeitstempel versehen in der Protokolldatei protokolliert.
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-D protokollverzeichnis
Mit der Option -D wird ein Verzeichnis angegeben, in dem die Pro-
tokolldatei liegt. protokollverzeichnis muß als absoluter Pfad-
name angegeben sein. Die Voreinstellung für protokollverzeichnis
ist /var/adm/log/in.routed.
protokolldatei
Falls protokolldatei angegeben ist, wird es als der Name einer
Datei in protokollverzeichnis interpretiert. Hierein sollen
Informationen über den Ablauf von routed protokolliert werden.
Jede neue Information wird an die Datei angehängt. Falls die
Datei beim Aufruf von routed angegeben wird, wird sie angelegt.
Falls -v und -t nicht angegeben wurden, so werden nur außerge-
wöhnliche Ereignisse protokolliert.
Falls die Option -l angegeben wurde, so darf der Name der Proto-
kolldatei mit RIP TRACEON- und TRACEOFF-Paketen geändert werden
sowie das Protokollieren an- und abgeschaltet werden.
Falls der Name einer Protokolldatei in einem RIP TRACEON-Paket
steht, so muß diese Datei bereits in prokollverzeichnis existie-
ren. routed legt in diesem Fall die Datei nicht neu an. Änderun-
gen im Protokollierungsverhalten von routed werden über
syslog(3C) protokolliert.
Neben den oben genannten Möglichkeiten unterstützt routed das Konzept
"ferner" passiver und aktiver Gateways. Wenn routed aktiviert wird,
liest er die Datei gateways und sucht darin die Gateways, die nicht
mit dem ioctl-Aufruf SIOGIFCONF zu finden sind. Solche Gateways sind
als passiv markiert, wenn sie keine Routing-Informationen austauschen
sollen, aktiv, wenn sie Routing-Informationen weitergeben (d. h. auf
dem Gateway-Rechner muß ein routed-Prozeß laufen). Passive Gateways
werden in den Routing-Tabellen immer geführt, und Angaben zu ihrer
Existenz sind in allen übertragenen Routing-Daten enthalten. Ein akti-
ver Gateways wird wie eine Netzschnittstelle behandelt. Es werden
Routing-Informationen an ihn verteilt, und wenn für ihn eine bestimmte
Zeit lang keine Routing-Informationen empfangen wird, wird die zugehö-
rige Route gelöscht.
Die Datei gateways besteht aus mehreren Zeilen mit dem folgenden For-
mat:
<net|host> ziel gateway name metric wert <passive|active>
Das Schlüsselwort net oder host gibt an, ob die Route zu einem Netz
oder einem bestimmten Rechner führt.
ziel ist der Name des Zielnetzes oder -Rechners. Dies kann ein symbo-
lischer, in networks(4) oder hosts(4) stehender Name sein oder eine in
Internet-Punkt-Schreibweise dargestellte Internet-Adresse [siehe
inet(7)].
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name ist der Name oder die Adresse des Gateways, an den Nachrichten
übermittelt werden sollen.
wert ist ein metrischer Wert, der die Anzahl der Zwischenstationen bis
zum Ziel-Rechner oder -Netz angibt.
Das Schlüsselwort passive bzw. active gibt an, ob der Gateway ein pas-
siver oder ein aktiver Gateway ist (siehe oben).
HINWEISE
Die Routing-Tabellen des Systemkerns können kurzfristig von denen von
routed abweichen, wenn laufende Prozesse vorhandene Routen, die durch
routed geändert oder gelöscht wurden, gerade nutzen. Die einzige Mög-
lichkeit, dies zu verhindern, wäre, den Route-Prozeß in den Systemkern
zu binden.
DATEIEN
/etc/gateways für entfernte Gateways
/etc/networks
/etc/hosts
SIEHE AUCH
ioctl(2), hosts(4), networks(4), inet(7), udp(7).
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