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⇒ ppd(1M) — Reliant UNIX 5.44c4

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ppp(7)

ppd(1M)                                                             ppd(1M)

NAME
     ppd - PPP-Steuerdämon

SYNTAX
     /opt/bin/ppd [-WDT] [-C konfigurationsdatei] [rechnername]

BESCHREIBUNG
     ppd sorgt für die Herstellung und Steuerung einer PPP-Verbindung zwi-
     schen zwei Rechnern (PPP = Point to Point Protocol).

     Es gibt zwei Betriebsarten des Dämons: In der ersten baut ppd als
     aktiver Prozeß eine Verbindung zum Rechner rechnername auf. Der Rech-
     nername wird der PPP-Konfigurationsdatei /usr/lib/ppp/ppp.config ent-
     nommen und definiert dort eine Verbindungsanforderung. Der Rechnername
     dient üblicherweise auch als Verweis auf die Datei /etc/uucp/Systems
     (die auch von UUCP verwendet wird). Unter Verwendung der zurückgelie-
     ferten Informationen wird versucht, eine Verbindung zu dem fernen
     Rechner aufzubauen. Format und Verwendung der Datei werden in der
     UUCP-Dokumentation beschrieben.

     In der zweiten Betriebsart ist der Dämon ein passiver Prozeß und wird
     als login-Shell einer eingehenden Verbindungsanforderung gestartet.
     Der Dämon stellt mit Hilfe der Benutzerkennung fest, als was er aufge-
     rufen wurde, und ermittelt den Benutzernamen aus der PPP-Konfigura-
     tionsdatei /usr/lib/ppp/ppp.config. Kann der Benutzername nicht in der
     Konfigurationsdatei gefunden werden, beendet sich ppd.

     Die Angabe von rechnername bewirkt den Start des Dämons als aktiven
     Prozeß. Wird rechnername nicht angegeben, unterstellt ppd, daß eine
     Verbindung mit ihm als passiver Prozeß aufgebaut werden soll.

OPTIONEN
     -C konfigurationsdatei
          Mit der Option -C kann man einen Dateinamen für die ppd-Konfigu-
          rationsdatei angeben, der statt des Standardnamens verwendet wer-
          den soll. Diese Möglichkeit ist u. a. zum Testen einer neuen Ver-
          bindung nützlich.

     -T   Mit dieser Option wird die Protokollierung des ppd eingeschaltet,
          die Informationen über die beim Verbindungsaufbau ausgehandelten
          Protokolloptionen ausgibt. Bei einer Verbindung mit ppd als akti-
          vem Prozeß werden die Diagnosedaten nach stderr ausgegeben, bei
          einer Verbindung mit ppd als dem passiven Prozeß werden sie in
          die Datei /tmp/ppd.trace geschrieben.

     -D   Mit dieser Option wird dafür gesorgt, daß Diagnose-, Testhilfe-
          und Protokollierungsnachrichten ausgegeben werden. Mit jeder
          Angabe von -D werden weitere Diagnosedaten erstellt.







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ppd(1M)                                                             ppd(1M)

     -W   Die Option aktiviert den ppd-Modus "Warten auf Paket". Sie gilt
          nur für den aktiven Verbindungsaufbau und bewirkt, daß ppd nicht
          sofort versucht, eine Verbindung herzustellen, sondern erst dann,
          wenn ihm das erste IP-Paket zur Übertragung an den fernen Rechner
          übergeben wird.

          Bei diesem Modus müssen sowohl die lokale als auch die ferne IP-
          Adresse angegeben werden.

KONFIGURATION
     ppd wird über eine Konfigurationsdatei gesteuert. Normalerweise ist
     dies die Datei /usr/lib/ppp/ppd.config ; die Zuordnung kann jedoch mit
     der Option -C geändert werden.

     Die Konfigurationsdatei enthält protokoll-spezifische Parameter und
     rechner-spezifische Parameter. Bei Schlüsselwörtern wird nicht zwi-
     schen Groß- und Kleinschreibung unterschieden. Kommentare beginnen mit
     dem Zeichen # und enden am logischen Zeilenende. Bei Fortsetzungszei-
     len muß die erste Zeile mit einem Gegenschrägstrich abgeschlossen wer-
     den; dies gilt auch für Kommentarzeilen. Rechner-Einträge haben fol-
     gendes Format:

             HOST    rechnername
                     rechner-spezifische Wertpaare
             END

     Jedes rechner-spezifische Schlüsselwort und der dazugehörige Wert müs-
     sen in eine Extrazeile geschrieben werden. Folgende booleschen Werte
     sind möglich: yes bzw. no, on bzw. off oder true bzw. false. Wird kein
     boolescher Wert übergeben, kann z. B. zur Aktivierung von PFC folgen-
     des angegeben werden:

             PFC true,
             PFC on

     oder

             PFC

     Als Protokollkennzeichen-Parameter kann entweder der Name des Proto-
     kolls angegeben werden, z. B. CHAP oder LQM, oder eine Nummer, mit der
     das Protokoll bezeichnet wird (RFC 1797, Assigned Numbers).












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ppd(1M)                                                             ppd(1M)

     Derzeit sind folgende rechner-spezifischen Schlüsselwörter definiert:

     DEVICE name
          name ist der beim Aufruf der Wählroutinen zu verwendende Name.
          Fehlt die Angabe, wird der aktuelle Rechnername verwendet.

     DIALIN [booleanflag]
          Wenn dieser Wert auf true gesetzt ist, werden eingehende Verbin-
          dungen mit diesem Rechnernamen zugelassen.

     DIALOUT [booleanflag]
          Wenn dieser Wert auf true gesetzt ist, werden abgehende Verbin-
          dungen zu diesem Rechner zugelassen.

     TIMEOUT secs
          Befindet sich die Verbindung für die hier angegebene Anzahl von
          Sekunden im Ruhezustand, wird sie abgebaut. Dies ist in Verbin-
          dung mit der Option -W des PPP-Modus für "Wählen bei Bedarf"
          nützlich. Als Ruhezustand gilt, wenn keine PPP-Pakete über die
          Verbindung gesendet oder empfangen werden. Es wird nicht aus-
          schließlich auf IP-Pakete geachtet, d. h., daß bei Verwendung
          anderer Protokolle (z. B. LQM) die Vebindung nicht geschlossen
          wird.

     PROTOCOL protokollname [protokollspezifischeoptionen]
          Diese Option läßt rechner-spezifische Protokolloptionen zu.
          Protokoll-spezifische Optionen werden beim Protokollstart inter-
          pretiert. Bei Angabe dieser Option können für einen Rechner
          andere als die generell geltenden Protokollparameter verwendet
          werden. (Ein Beispiel ist die von CHAP verwendete Option
          secrethost.) Ein nicht erkanntes Schlüsselwort wird als
          protokoll-spezifisches Schlüsselwort interpretiert und beim Start
          des betreffenden Protokolls bearbeitet.

     Für Protokoll-Einträge gibt es zwei Formate. Das erste sieht folgen-
     dermaßen aus:

             PROTOCOL protokollname
                      rechner-spezifische Wertpaare
             END

     protokollname ist der Name eines Protokolls, z. B. CHAP, LQM oder LCP
     oder eine Nummer, mit der das Protokoll bezeichnet wird (RFC 1797,
     Assigned Numbers). Folgende protokoll-unabhängigen Schlüsselwörter
     sind definiert:

     LIBRARY bibliotheksname
          Die Datei bibliotheksname enthält den protokoll-spezifischen
          Code. Ist bibliotheksname kein vollständiger Pfadname, so wird
          die Angabe als relativer Pfadname zum Bibliotheksverzeichnis
          interpretiert.



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ppd(1M)                                                             ppd(1M)

     ACTIVE
          Diese Angabe bewirkt, daß das Protokoll im Aktiv-Modus betrieben
          wird.

     PASSIVE
          Diese Angabe bewirkt, daß das Protokoll im Passiv-Modus betrieben
          wird.

     INITIAL
          Ist dieses Flag gesetzt, wird das Protokoll nach dem LCP-Proto-
          koll gestartet.

     !INITIAL
          Ist dieses Flag gesetzt, wird das Protokoll erst gestartet, wenn
          der Partner ein Paket für dieses Protokoll sendet. Dies ist z. B.
          nützlich, wenn der Server mehrere Protokolle unterstützen kann,
          aber nicht weiß, welches Protokoll der Client verwendet.

     DISABLED
          Dieser Parameter bewirkt, daß das Protokoll deaktiviert wird. Es
          kann dann nicht verwendet werden.

     Wenn keines der obigen Schlüsselwörter verwendet wird, so wird ein
     protokoll-spezifisches Schlüsselwort unterstellt und die Zeile erst
     beim Protokollstart ausgewertet.

     Ein zweites Format für Protokoll-Einträge wird verwendet, wenn keine
     protokoll-spezifischen Parameter benötigt werden:

             PROTOCOL protokollid [generischeprotokolloptionen]

     In diesem Fall werden nur die oben erwähnten generischen Protokollop-
     tionen erkannt.

     Mit dem Parameter LIBDIR wird das Verzeichnis angegeben, das die
     Bibliotheken mit den Protokollerweiterungen enthält. Standardmäßig ist
     dies /usr/lib/ppp.

ERWEITERUNGEN
     Für den Transport von IP-Paketen über PPP werden zwei Protokolle benö-
     tigt: LCP und IPCP. Die IP-Verkapselung wird ebenfalls intern als
     gesondertes Protokoll abgewickelt. Die drei Protokolle sind statisch
     in ppd eingebunden und ständig verfügbar. Andere Protokolle wie CHAP
     oder PAP können zusätzlich dynamisch eingebunden werden; dies wird
     über die Konfigurationsdatei gesteuert. Diese Erweiterungsprotokolle
     werden in nachladbaren Bibliotheken abgelegt, die standardmäßig im
     Verzeichnis /usr/lib/ppp zu finden sind. Eine Bibliothek kann mehrere
     Protokolle enthalten. Beim Start von ppd werden alle konfigurierten
     Protokolle geladen, jedoch erst bei Bedarf gestartet.





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ppd(1M)                                                             ppd(1M)

PROTOKOLL-KONFIGURATION
     Jedes Protokoll hat seine eigenen Konfigurationsparameter. Zu den
     gebräuchlichsten gehören:

   LCP-Protokolloptionen

     Das LCP-Protokoll steuert den Verbindungsaufbau und die Festlegung
     verschiedener generischer Optionen.

     MTU  Mit dieser Option wird die maximale Paketgröße für die Übertra-
          gung festgelegt. Standardwert für PPP ist 1500 Bytes. Zulässig
          sind Werte zwischen 100 und 1540 Bytes, wobei der höhere Wert bei
          Verwendung eines Bridge-Protokolls benutzt werden kann. Wenn die
          gewählte Größe vom Partner nicht verarbeitet werden kann, wird
          ein niedrigerer Wert ausgehandelt.

     CHARMAP, RCVMAP, SNDMAP
          Mit diesen Optionen werden Angaben zur Asynchronous Character Map
          gemacht. Dabei handelt es sich um eine 32 Bit breite Maske, mit
          der angegeben wird, ob einige oder alle der ersten 32 ASCII-
          Zeichen auf einen höheren Wert abgebildet werden sollen. Dies
          ermöglicht PPP die Datenübertragung über einen Pfad, der nicht
          8-Bit-fähig ist. Wie die einzelnen Bits der Maske gesetzt werden,
          wird zwischen den beiden Instanzen ausgehandelt. Wenn eine oder
          beide Instanzen ein Bit setzen, wird das entsprechende Zeichen
          abgebildet. Es kann entweder ein numerischer Wert als Bezeichnung
          für die gesamte Maske angegeben werden oder eine Liste der abzu-
          bildenden Zeichen, d. h. der normalen Zeichen, die in Steuerzei-
          chen umgesetzt werden sollen. CHARMAP setzt sowohl die Empfangs-
          als auch die Sendemaske, RCVMAP nur die Empfangsmaske und SNDMAP
          nur die Sendemaske. Standardmäßig sind in der Sendemaske keine
          und in der Empfangsmaske alle Bits gesetzt.

          Um z. B. die Zeichen CTRL-S und CTRL-Q abzubilden, kann folgender
          Eintrag angegeben werden:

          charmap  0x000A0000     (Hexadezimal)
          charmap  000002400000   (Oktal)
          charmap  655360         (Dezimal)
          charmap  "QS"           (Zeichenkette)

     PFC  Dieser boolesche Schalter steuert die Protokollfeldkomprimierung
          für die Übertragung. Es empfiehlt sich, diese Option für langsame
          Verbindungen zu aktivieren.

          Standardmäßig ist PFC deaktiviert.








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ppd(1M)                                                             ppd(1M)

     ACFC Dieser boolesche Schalter steuert die Adress- und Steuerfeldkom-
          primierung für die Übertragung. Es empfiehlt sich, diese Option
          für langsame Verbindungen zu aktivieren.

          Standardmäßig ist ACFC deaktiviert.

     AUTH protokoll-id
          Mit dieser Option wird LCP mitgeteilt, daß ein Berechtigungspro-
          tokoll (PAP oder CHAP) verwendet werden soll. Die übrigen Parame-
          ter für diese Protokolle werden über den normalen Protokollbe-
          zeichner definiert.

     QUALITY protokoll-id wiederhol-intervall
          Diese Option ermöglicht die Verwendung eines Verbindungsquali-
          tätsprotokolls. Derzeit ist LQM das einzige definierte Protokoll.
          Mit wiederhol-interval wird das Intervall zwischen den LQM-
          Reports angegeben. Beim Wert 0 wird erst bei Empfang eines
          Reports vom Partner ein Report gesendet.

          Eigentlich gehören AUTH und QUALITY nicht zu LCP; ihre Zuordnung
          hat historische Gründe.

   IPCP-Protokolloptionen

     IPCP steuert die IP-spezifischen Optionen.

     VJC  Mit diesem booleschen Schalter wird die Übertragung von Van-
          Jacobson-komprimierten TCP-Frames aktiviert. Dies empfiehlt sich
          besonders für langsame Verbindungen, da der 40 Byte lange
          Standard-TCP/IP-Vorspann durch die Komprimierung auf 4 Bytes ver-
          kürzt wird (Voreinstellung: on).

     RECVVJC
          Mit diesem Schalter wird der Empfang von VJ-komprimierten TCP-
          Frames aktiviert. Standardmäßig ist die Option eingeschaltet.

     ADDR Mit dieser Option wird die lokale IP-Adresse der Verbindung
          gesetzt. Wird hier kein Wert angegeben, so fordert PPP eine
          Adresse vom Partner an.

     REMOTEADDR
          Mit dieser Option wird die ferne IP-Adresse der Verbindung
          gesetzt. Sie wird benötigt, wenn der Partner keine IP-Adresse
          angegeben hat, oder bei Verwendung der Option -W. Der Dämon benö-
          tigt in jedem Fall eine Zieladresse, damit die Pakete von der
          IP-Schicht über die PPP-Schnittstelle transportiert werden kön-
          nen. Die Adresse kann als Standard-IP-Adresse in Punktschreib-
          weise oder als IP-Rechnername angegeben werden.






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ppd(1M)                                                             ppd(1M)

   IP-Protokoll-Optionen

     Die einzige IP-Option ist die route-Option. Sie hat dieselbe Syntax
     wie das Kommando route(1M), mit der Ausnahme, daß standardmäßig für
     den vierten Parameter der Wert 1 angenommen wird.

   Sonstige Protokolle

     Das Protokoll LQM wird zur Überwachung des Leitungszustands einge-
     setzt. Unter normalen Umständen wird das Protokoll nicht benötigt. Die
     Protokolle PAP und CHAP werden als Berechtigungsverfahren gegenüber
     dem Partner eingesetzt.

DIAGNOSE
     Für Verbindungen mit ppd als dem aktiven Prozeß werden die Diagnosein-
     formationen auf stderr, für Verbindungen mit ppd als passivem Prozeß
     in die Datei /tmp/ppd.log ausgegeben.

DATEIEN
     /usr/lib/ppp/ppd.config

     /tmp/ppd.log

     /dev/ppp

SIEHE AUCH
     pppoff(1M), ppp(7).



























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