ppd(1M) ppd(1M)
NAME
ppd - PPP-Steuerdämon
SYNTAX
/opt/bin/ppd [-WDT] [-C konfigurationsdatei] [rechnername]
BESCHREIBUNG
ppd sorgt für die Herstellung und Steuerung einer PPP-Verbindung zwi-
schen zwei Rechnern (PPP = Point to Point Protocol).
Es gibt zwei Betriebsarten des Dämons: In der ersten baut ppd als
aktiver Prozeß eine Verbindung zum Rechner rechnername auf. Der Rech-
nername wird der PPP-Konfigurationsdatei /usr/lib/ppp/ppp.config ent-
nommen und definiert dort eine Verbindungsanforderung. Der Rechnername
dient üblicherweise auch als Verweis auf die Datei /etc/uucp/Systems
(die auch von UUCP verwendet wird). Unter Verwendung der zurückgelie-
ferten Informationen wird versucht, eine Verbindung zu dem fernen
Rechner aufzubauen. Format und Verwendung der Datei werden in der
UUCP-Dokumentation beschrieben.
In der zweiten Betriebsart ist der Dämon ein passiver Prozeß und wird
als login-Shell einer eingehenden Verbindungsanforderung gestartet.
Der Dämon stellt mit Hilfe der Benutzerkennung fest, als was er aufge-
rufen wurde, und ermittelt den Benutzernamen aus der PPP-Konfigura-
tionsdatei /usr/lib/ppp/ppp.config. Kann der Benutzername nicht in der
Konfigurationsdatei gefunden werden, beendet sich ppd.
Die Angabe von rechnername bewirkt den Start des Dämons als aktiven
Prozeß. Wird rechnername nicht angegeben, unterstellt ppd, daß eine
Verbindung mit ihm als passiver Prozeß aufgebaut werden soll.
OPTIONEN
-C konfigurationsdatei
Mit der Option -C kann man einen Dateinamen für die ppd-Konfigu-
rationsdatei angeben, der statt des Standardnamens verwendet wer-
den soll. Diese Möglichkeit ist u. a. zum Testen einer neuen Ver-
bindung nützlich.
-T Mit dieser Option wird die Protokollierung des ppd eingeschaltet,
die Informationen über die beim Verbindungsaufbau ausgehandelten
Protokolloptionen ausgibt. Bei einer Verbindung mit ppd als akti-
vem Prozeß werden die Diagnosedaten nach stderr ausgegeben, bei
einer Verbindung mit ppd als dem passiven Prozeß werden sie in
die Datei /tmp/ppd.trace geschrieben.
-D Mit dieser Option wird dafür gesorgt, daß Diagnose-, Testhilfe-
und Protokollierungsnachrichten ausgegeben werden. Mit jeder
Angabe von -D werden weitere Diagnosedaten erstellt.
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-W Die Option aktiviert den ppd-Modus "Warten auf Paket". Sie gilt
nur für den aktiven Verbindungsaufbau und bewirkt, daß ppd nicht
sofort versucht, eine Verbindung herzustellen, sondern erst dann,
wenn ihm das erste IP-Paket zur Übertragung an den fernen Rechner
übergeben wird.
Bei diesem Modus müssen sowohl die lokale als auch die ferne IP-
Adresse angegeben werden.
KONFIGURATION
ppd wird über eine Konfigurationsdatei gesteuert. Normalerweise ist
dies die Datei /usr/lib/ppp/ppd.config ; die Zuordnung kann jedoch mit
der Option -C geändert werden.
Die Konfigurationsdatei enthält protokoll-spezifische Parameter und
rechner-spezifische Parameter. Bei Schlüsselwörtern wird nicht zwi-
schen Groß- und Kleinschreibung unterschieden. Kommentare beginnen mit
dem Zeichen # und enden am logischen Zeilenende. Bei Fortsetzungszei-
len muß die erste Zeile mit einem Gegenschrägstrich abgeschlossen wer-
den; dies gilt auch für Kommentarzeilen. Rechner-Einträge haben fol-
gendes Format:
HOST rechnername
rechner-spezifische Wertpaare
END
Jedes rechner-spezifische Schlüsselwort und der dazugehörige Wert müs-
sen in eine Extrazeile geschrieben werden. Folgende booleschen Werte
sind möglich: yes bzw. no, on bzw. off oder true bzw. false. Wird kein
boolescher Wert übergeben, kann z. B. zur Aktivierung von PFC folgen-
des angegeben werden:
PFC true,
PFC on
oder
PFC
Als Protokollkennzeichen-Parameter kann entweder der Name des Proto-
kolls angegeben werden, z. B. CHAP oder LQM, oder eine Nummer, mit der
das Protokoll bezeichnet wird (RFC 1797, Assigned Numbers).
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Derzeit sind folgende rechner-spezifischen Schlüsselwörter definiert:
DEVICE name
name ist der beim Aufruf der Wählroutinen zu verwendende Name.
Fehlt die Angabe, wird der aktuelle Rechnername verwendet.
DIALIN [booleanflag]
Wenn dieser Wert auf true gesetzt ist, werden eingehende Verbin-
dungen mit diesem Rechnernamen zugelassen.
DIALOUT [booleanflag]
Wenn dieser Wert auf true gesetzt ist, werden abgehende Verbin-
dungen zu diesem Rechner zugelassen.
TIMEOUT secs
Befindet sich die Verbindung für die hier angegebene Anzahl von
Sekunden im Ruhezustand, wird sie abgebaut. Dies ist in Verbin-
dung mit der Option -W des PPP-Modus für "Wählen bei Bedarf"
nützlich. Als Ruhezustand gilt, wenn keine PPP-Pakete über die
Verbindung gesendet oder empfangen werden. Es wird nicht aus-
schließlich auf IP-Pakete geachtet, d. h., daß bei Verwendung
anderer Protokolle (z. B. LQM) die Vebindung nicht geschlossen
wird.
PROTOCOL protokollname [protokollspezifischeoptionen]
Diese Option läßt rechner-spezifische Protokolloptionen zu.
Protokoll-spezifische Optionen werden beim Protokollstart inter-
pretiert. Bei Angabe dieser Option können für einen Rechner
andere als die generell geltenden Protokollparameter verwendet
werden. (Ein Beispiel ist die von CHAP verwendete Option
secrethost.) Ein nicht erkanntes Schlüsselwort wird als
protokoll-spezifisches Schlüsselwort interpretiert und beim Start
des betreffenden Protokolls bearbeitet.
Für Protokoll-Einträge gibt es zwei Formate. Das erste sieht folgen-
dermaßen aus:
PROTOCOL protokollname
rechner-spezifische Wertpaare
END
protokollname ist der Name eines Protokolls, z. B. CHAP, LQM oder LCP
oder eine Nummer, mit der das Protokoll bezeichnet wird (RFC 1797,
Assigned Numbers). Folgende protokoll-unabhängigen Schlüsselwörter
sind definiert:
LIBRARY bibliotheksname
Die Datei bibliotheksname enthält den protokoll-spezifischen
Code. Ist bibliotheksname kein vollständiger Pfadname, so wird
die Angabe als relativer Pfadname zum Bibliotheksverzeichnis
interpretiert.
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ACTIVE
Diese Angabe bewirkt, daß das Protokoll im Aktiv-Modus betrieben
wird.
PASSIVE
Diese Angabe bewirkt, daß das Protokoll im Passiv-Modus betrieben
wird.
INITIAL
Ist dieses Flag gesetzt, wird das Protokoll nach dem LCP-Proto-
koll gestartet.
!INITIAL
Ist dieses Flag gesetzt, wird das Protokoll erst gestartet, wenn
der Partner ein Paket für dieses Protokoll sendet. Dies ist z. B.
nützlich, wenn der Server mehrere Protokolle unterstützen kann,
aber nicht weiß, welches Protokoll der Client verwendet.
DISABLED
Dieser Parameter bewirkt, daß das Protokoll deaktiviert wird. Es
kann dann nicht verwendet werden.
Wenn keines der obigen Schlüsselwörter verwendet wird, so wird ein
protokoll-spezifisches Schlüsselwort unterstellt und die Zeile erst
beim Protokollstart ausgewertet.
Ein zweites Format für Protokoll-Einträge wird verwendet, wenn keine
protokoll-spezifischen Parameter benötigt werden:
PROTOCOL protokollid [generischeprotokolloptionen]
In diesem Fall werden nur die oben erwähnten generischen Protokollop-
tionen erkannt.
Mit dem Parameter LIBDIR wird das Verzeichnis angegeben, das die
Bibliotheken mit den Protokollerweiterungen enthält. Standardmäßig ist
dies /usr/lib/ppp.
ERWEITERUNGEN
Für den Transport von IP-Paketen über PPP werden zwei Protokolle benö-
tigt: LCP und IPCP. Die IP-Verkapselung wird ebenfalls intern als
gesondertes Protokoll abgewickelt. Die drei Protokolle sind statisch
in ppd eingebunden und ständig verfügbar. Andere Protokolle wie CHAP
oder PAP können zusätzlich dynamisch eingebunden werden; dies wird
über die Konfigurationsdatei gesteuert. Diese Erweiterungsprotokolle
werden in nachladbaren Bibliotheken abgelegt, die standardmäßig im
Verzeichnis /usr/lib/ppp zu finden sind. Eine Bibliothek kann mehrere
Protokolle enthalten. Beim Start von ppd werden alle konfigurierten
Protokolle geladen, jedoch erst bei Bedarf gestartet.
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PROTOKOLL-KONFIGURATION
Jedes Protokoll hat seine eigenen Konfigurationsparameter. Zu den
gebräuchlichsten gehören:
LCP-Protokolloptionen
Das LCP-Protokoll steuert den Verbindungsaufbau und die Festlegung
verschiedener generischer Optionen.
MTU Mit dieser Option wird die maximale Paketgröße für die Übertra-
gung festgelegt. Standardwert für PPP ist 1500 Bytes. Zulässig
sind Werte zwischen 100 und 1540 Bytes, wobei der höhere Wert bei
Verwendung eines Bridge-Protokolls benutzt werden kann. Wenn die
gewählte Größe vom Partner nicht verarbeitet werden kann, wird
ein niedrigerer Wert ausgehandelt.
CHARMAP, RCVMAP, SNDMAP
Mit diesen Optionen werden Angaben zur Asynchronous Character Map
gemacht. Dabei handelt es sich um eine 32 Bit breite Maske, mit
der angegeben wird, ob einige oder alle der ersten 32 ASCII-
Zeichen auf einen höheren Wert abgebildet werden sollen. Dies
ermöglicht PPP die Datenübertragung über einen Pfad, der nicht
8-Bit-fähig ist. Wie die einzelnen Bits der Maske gesetzt werden,
wird zwischen den beiden Instanzen ausgehandelt. Wenn eine oder
beide Instanzen ein Bit setzen, wird das entsprechende Zeichen
abgebildet. Es kann entweder ein numerischer Wert als Bezeichnung
für die gesamte Maske angegeben werden oder eine Liste der abzu-
bildenden Zeichen, d. h. der normalen Zeichen, die in Steuerzei-
chen umgesetzt werden sollen. CHARMAP setzt sowohl die Empfangs-
als auch die Sendemaske, RCVMAP nur die Empfangsmaske und SNDMAP
nur die Sendemaske. Standardmäßig sind in der Sendemaske keine
und in der Empfangsmaske alle Bits gesetzt.
Um z. B. die Zeichen CTRL-S und CTRL-Q abzubilden, kann folgender
Eintrag angegeben werden:
charmap 0x000A0000 (Hexadezimal)
charmap 000002400000 (Oktal)
charmap 655360 (Dezimal)
charmap "QS" (Zeichenkette)
PFC Dieser boolesche Schalter steuert die Protokollfeldkomprimierung
für die Übertragung. Es empfiehlt sich, diese Option für langsame
Verbindungen zu aktivieren.
Standardmäßig ist PFC deaktiviert.
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ACFC Dieser boolesche Schalter steuert die Adress- und Steuerfeldkom-
primierung für die Übertragung. Es empfiehlt sich, diese Option
für langsame Verbindungen zu aktivieren.
Standardmäßig ist ACFC deaktiviert.
AUTH protokoll-id
Mit dieser Option wird LCP mitgeteilt, daß ein Berechtigungspro-
tokoll (PAP oder CHAP) verwendet werden soll. Die übrigen Parame-
ter für diese Protokolle werden über den normalen Protokollbe-
zeichner definiert.
QUALITY protokoll-id wiederhol-intervall
Diese Option ermöglicht die Verwendung eines Verbindungsquali-
tätsprotokolls. Derzeit ist LQM das einzige definierte Protokoll.
Mit wiederhol-interval wird das Intervall zwischen den LQM-
Reports angegeben. Beim Wert 0 wird erst bei Empfang eines
Reports vom Partner ein Report gesendet.
Eigentlich gehören AUTH und QUALITY nicht zu LCP; ihre Zuordnung
hat historische Gründe.
IPCP-Protokolloptionen
IPCP steuert die IP-spezifischen Optionen.
VJC Mit diesem booleschen Schalter wird die Übertragung von Van-
Jacobson-komprimierten TCP-Frames aktiviert. Dies empfiehlt sich
besonders für langsame Verbindungen, da der 40 Byte lange
Standard-TCP/IP-Vorspann durch die Komprimierung auf 4 Bytes ver-
kürzt wird (Voreinstellung: on).
RECVVJC
Mit diesem Schalter wird der Empfang von VJ-komprimierten TCP-
Frames aktiviert. Standardmäßig ist die Option eingeschaltet.
ADDR Mit dieser Option wird die lokale IP-Adresse der Verbindung
gesetzt. Wird hier kein Wert angegeben, so fordert PPP eine
Adresse vom Partner an.
REMOTEADDR
Mit dieser Option wird die ferne IP-Adresse der Verbindung
gesetzt. Sie wird benötigt, wenn der Partner keine IP-Adresse
angegeben hat, oder bei Verwendung der Option -W. Der Dämon benö-
tigt in jedem Fall eine Zieladresse, damit die Pakete von der
IP-Schicht über die PPP-Schnittstelle transportiert werden kön-
nen. Die Adresse kann als Standard-IP-Adresse in Punktschreib-
weise oder als IP-Rechnername angegeben werden.
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IP-Protokoll-Optionen
Die einzige IP-Option ist die route-Option. Sie hat dieselbe Syntax
wie das Kommando route(1M), mit der Ausnahme, daß standardmäßig für
den vierten Parameter der Wert 1 angenommen wird.
Sonstige Protokolle
Das Protokoll LQM wird zur Überwachung des Leitungszustands einge-
setzt. Unter normalen Umständen wird das Protokoll nicht benötigt. Die
Protokolle PAP und CHAP werden als Berechtigungsverfahren gegenüber
dem Partner eingesetzt.
DIAGNOSE
Für Verbindungen mit ppd als dem aktiven Prozeß werden die Diagnosein-
formationen auf stderr, für Verbindungen mit ppd als passivem Prozeß
in die Datei /tmp/ppd.log ausgegeben.
DATEIEN
/usr/lib/ppp/ppd.config
/tmp/ppd.log
/dev/ppp
SIEHE AUCH
pppoff(1M), ppp(7).
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